Hin und wieder verzichtet meine Frau auf jegliche weibliche Diplomatie und wird ohne Umschweife direkt, so auch damals, kurz bevor ich mir am Kaffee die Lippe verbrühte:

„Ich möchte wieder ein Tier haben“, sagte die stolze Besitzerin dreier Schildkröten, einer Gelbstirnamazone, einer weißen Maus und eines pflegebedürftigen Igels.

Durch die Suche nach einer brandlindernden Salbe gelang es mir, etwas Zeit zu gewinnen, ich wusste jedoch, dass ich den drohenden Schaden nur noch begrenzen, nicht aber vermeiden konnte.

Und die Unentbehrliche ließ nicht locker: „Ich will eine Katze, am besten aus dem Tierheim, die Farbe ist mir egal.“ „Einen Moment“, protestierte ich und erinnerte sie an das einzige Verbot, das ich je verhängt hatte, nämlich das Verbot, ein Tierheim zu besuchen. Nur einmal hatte sie sich dem Verbot widersetzt und war mit reicher Beute heimgekehrt: drei Deutsche Doggen, vier kleine Terrier-Mischlinge und 25 süße, niedliche Kuschelkätzchen. Es dauerte ein halbes Jahr, bis wir die Tiere in der weitläufig begeisterten Verwandtschaft verteilt hatten, es war die größte Bewährungsprobe unserer Ehe seit ihrem vorletzten Tierheimbesuch.

Instinktiv nahm ich meine gewohnte Position ein: „Nein, nein und nochmals nein“, sagte ich streng und hoffte, dass sich auf diese Art mit zwei Katzen davonkommen würde. Und tatsächlich, das weitere Gespräch verlief wie abgesprochen.

„Eigentlich brauchen wir zwei Kätzchen“, sinnierte sie, „wir sind ja schließlich auch zu zweit.“ In dieser Phase der Diskussion griff ich auf eine bewährte rethorische Taktik zurück und signalisierte Bereitschaft – allerdings unter erschwerten Bedingungen.

„Also gut“, seufzte ich laut, um ihr zu demonstrieren, wie schwer mir das Opfer fiel. „Ich bin mit zwei Katzen einverstanden. Aber meine muss ganz schwarz sein und weiße Tennissocken tragen.“

„Prima“, frohlockte die Unentbehrliche, „da habe ich genau das Richtige für Dich. Lunas Katze hat nämlich vor kurzem geworfen, lass uns am besten gleich hinfahren.“

„Jetzt ist es aber genug“, schrie ich auf, als meine Frau wie aus dem Nichts in Straßenkleidung dastand.

„Komm schon!“ ermahnte sie mich trocken, „Luna erwartet uns in 10 Minuten.“

Schnell rechnete ich durch: Luna wohnte gerade um die Ecke, die Fahrt dorthin, sozusagen ein Katzensprung, würde also höchstens zwei Minuten in Anspruch nehmen; demnach hatte die Unentbehrliche von vornherein acht Minuten für meinen Protest einkalkuliert. Diesen Erfolg durfte ich ihr nicht gönnen: Ich ging widerstandlos mit.

In Lunas Badezimmer begrüßte uns ein vierfaches, klägliches Miauen. Wie auf Eiern laufend, tapste uns ein Quartett wuscheliger Angorabällchen entgegen, zwei bunte, eine graue und eine undefinierbare, die wie die Farbpalette eines abstrakten Malers aussah. Aber keine schwarze, und schon gar keine mit weißen Söckchen. Doch dann geschah etwas Überraschendes.

Zielstrebig und unter Ausrufung infantilster Kosenamen ging meine Frau auf die Kätzchen zu, legte, guttural gurrend, drei der Tiere in einen Korb, nahm diesen auf und wandte sich zu mir: „Wir können gehen!“

Augenblicklich erkannte ich die einmalige Chance, mit nur drei Katzen nach Hause zu kommen. Schnell griff ich meiner Frau unter den Arm, um sie einerseits hinauszubegleiten, andererseits um sofort einen Würgegriff anbringen zu können, falls sie sich doch noch nach der vierten Katze bücken sollte. Mein Triumph ließ mich sogar vergessen, dass meine Farbwünsche rücksichtslos übergangen worden waren.

Den Abend verbrachten wir gemeinsam meist unter dem Sofa, das sich die Neuankömmlinge als erstes Versteck auserkoren hatten und das sie auch unter größtem Einsatz lockender Wollknäuel und aufregender Stricknadeln nicht verlassen mochten. Jeden schmerzhaften und lebensgefährlichen Versuch meinerseits, die Tierchen hervorzuholen, quittierte meine Frau mit Aussprüchen wie „Sind sie nicht süß?“ oder „Sind sie nicht süß?“ oder auch „Sind sie nicht süß?“ – ihr Einfallsreichtum kannte angesichts des überwältigenden Erlebnisses keine Grenzen. Erst als uns das Hansaplast ausging, begaben wir uns glücklich und zufrieden zu Bett.

„Weißt Du“, flüsterte ich der Unentbehrlichen schlaftrunken zu. „Ich bin stolz auf Dich, dass Du der vierten Katze widerstanden hast.“

„Danke“, säuselte sie mir ins Ohr und strich dabei zärtlich über meine Wundverbände. „Aber die vierte hole ich morgen ab. Die Katzenmutter soll sich doch langsam daran gewöhnen können, dass ihre Kinder nicht mehr da sind. Eine Katze kann das doch gar nicht begreifen, verstehst Du?“

Ich verstand sehr wohl und drückte unter Schmerzen ihre Hand. „Ich liebe Dich“, sagte ich leise und freute mich auf die vierte. Irgendwo würde sich an diesem Tier doch ein kleines schwarzes Fellstück finden lassen. Und die Füßchen konnte man zur Not auch in Mehl tauchen, oder nicht?

Gregory Heath