Auf die richtige Motivation kommt es an!

Ohne Frage – Motivation ist ein sehr wichtiges Thema bei der Hundeerziehung, sie bildet die Grundlage für ein erfolgreiches Training. Häufig wird bei diesem Thema an Belohnungen gedacht, daran, was man seinem Hund anbieten kann, damit er bereit ist, mit einem zusammenzuarbeiten. Hier stehen grundsätzlich mehrere Möglichkeiten zur Verfügung:

  1.  Die Futterbelohnung. Bei ihr ist es wichtig, Leckerchen zu wählen, die der Hund auch wirklich mag! Klingt logisch, wird aber häufig nicht praktiziert. Oft bekommt unser Vierbeiner für gute Leistung die gleichen Trockenfutterkörner angeboten, die er morgens schon gelangweilt im Napf vorgefunden hat. Viel besser hingegen wären Wurst (möglichst wenig gewürzt), gekochte Fleisch-stücke oder Käse (Butterkäse, junger Gouda). Wer nun glaubt, das seien aber schon sehr besondere Schmankerl und der Hund könne sich ja nun wirklich auch mit einer weniger guten Futterbelohnung zufrieden geben, der denke über folgendes Beispiel nach: Wir fragen Sie, ob Sie uns helfen würden, unseren Keller aufzuräumen. Falls ja, werden Sie nach der Entrümpelungs-arbeit als Dankeschön ein trockenes Knäckebrot bekommen. Sind Sie motiviert? So richtig motiviert, so dass Sie mit Begeisterung an diese Aufgabe herangehen? Etwa nicht? Okay, dann versuchen wir es anders. Wenn Sie uns helfen, den Keller aufzuräumen, kochen wir hinterher Spaghetti mit Trüffel-Weißwein-Soße und frischem Parmesan. Jetzt doch motiviert? Na sehen Sie, genauso geht es Ihrem Hund!
    Natürlich darf es in der Futterbelohnung Varianten von „gutem Futter“ und „sehr gutem Futter“ geben. Für ein Kommando, das der Hund bereits gut kann und das ihm keinerlei Mühe bereitet, muss die Futterbelohnung nicht so herausragend sein wie für ein Kommando, das dem Hund offensichtlich deutlich schwerer fällt. Probieren Sie es doch einmal aus: Geben Sie Ihrem Hund eine Woche lang für das Kommando, das ihm am schwersten fällt (und nur für dieses!) etwas ganz Besonderes, z.B. Leberwurst aus der Tube. Sie werden sehen, seine Motivation, dieses Kommando gut auszuführen, wird deutlich steigen.Die Futterbelohnung ist außerdem die, die dem natürlichen Verhaltens-repertoire eines Caniden am ehesten entspricht, denn auch in der freien Natur ist die Motivation, Handlungen zu zeigen, um an Nahrung zu kommen, hoch.Einige Hundehalter – und auch Trainer – glauben übrigens, der Hund solle nicht für Leckerchen, sondern für sie arbeiten. Unsere simple Antwort: Warum sollte er? Nur weil der Mensch in seiner ganzen Selbstherrlichkeit glaubt, seine Anwesenheit allein genüge schon, den Hund ausreichend zu motivieren? Diese Einstellung hat sehr viel mit Humanpsychologie und gar nichts mit Tierpsychologie zu tun, denn sie entspringt dem Wunsch des Menschen, wenigstens von einem Lebewesen nur um seiner selbst willen geliebt zu werden, ohne etwas Besonderes dafür tun zu müssen. Wir können zwar gut verstehen, dass man sich wünscht, der Hund möge die Kommandos „wie selbstverständlich“ und aus Freude am gemeinsamen Arbeiten ausführen, aber aus biologischer Sicht muss das Lernen für den Hund eine Verhaltensanpassung sein, die ihm in irgendeiner Form Vorteile bringt, er hat keinen Grund „für uns“ zu arbeiten und sieht darin auch keinen Liebesbeweis. Ja, es gibt einige Hunde, die mehr oder weniger ohne Belohnungen unermüdlich und mit Spaß Kommandos ausführen. Für diese Hunde ist die Beschäftigung, das Arbeiten mit ihnen selbstbelohnend. Das können zum Beispiel Vertreter bestimmter Hütehundrassen sein, die züchterisch auf diese Art von Tatendrang selektiert wurden, also eine bestimmte Arbeitsfreude in ihren Genen tragen, was aber auch nicht bei allen Hütehunden der Fall ist. Die meisten Hunde aber brauchen handfestere Vorteile bzw. Belohnungen, um ihr Verhalten den Wünschen des Menschen anzupassen. Wenn man dazu nicht bereit ist, besteht die Alternative, den Gehorsam zuverlässig zu halten, nur in Zwang, anders gesagt im Androhen oder Anwenden von Strafe. Das Vermeiden der Strafe ist für den Hund auch ein Vorteil, daher ist es möglich, über das Androhen von Strafe gewünschte Reaktionen zu erhalten. Aber da ist die Wahl für uns wirklich einfach: Wir geben unseren Hunden lieber bis an ihr Lebensende Belohnungen, als immer wieder Zwang und Gewalt ausüben zu müssen, um sie zum zuverlässigen Arbeiten zu kriegen. Abgesehen davon glauben wir schon, dass unsere Hunde uns wirklich mögen… bestimmt auch wegen der leckeren Futterbelohnungen, die wir für sie bereit halten.
  2. Die zweite Motivationsmöglichkeit besteht darin, mit dem Hund zu spielen, wenn er eine Übung gut ausgeführt hat. Spiel kann eine sehr gute Motivation sein, wenn man einen aktiven, immer zu Abenteuern aufgelegten und spielbegeisterten Hund hat, für den Leckerchen zwar toll sind, aber eben nicht so toll wie spannende Interaktionen. Gerade das Abrufen von anderen Hunden kann durch Spielmotivation (z.B. ein Rennspiel mit dem Halter als Belohnung für das Zurückkommen) oft sehr zuverlässig beigebracht werden. Zwei Dinge sind dabei aber sehr wichtig zu beachten: Erstens muss das Spiel als Belohnung zu dem Kommando passen, das man gerade üben möchte. Wird dem Hund ein Ruhekommando wie beispielsweise „Platz“ beigebracht, und nach jedem Durchgang wird er mit einem wilden Spiel belohnt, so macht man es dem Hund unnötig schwer, da er beim Kommando „Platz“ lernen soll, ruhig und entspannt zu liegen. Die Belohnung „wildes Spiel“ bringt ihn aber jedes Mal in eine ganz andere, aufgeregte Erwartungshaltung, die er beim nächsten „Platz“ innerhalb von einer Sekunde wieder abstreifen soll. Daher eignet sich für Ruhekommandos wie „sitz“, „Platz“, „bleib“ oder „steh“ die Futterbelohnung deutlich besser.Zweitens ist wichtig, dass die Spielmotivation eben MOTIVATION sein soll, kein Aufpushen des Hundes und erst recht keine Erzeugung von Abhängig-keit. Das Spiel mit Gegenständen, insbesondere das ständige Werfen von Bällen oder Stöckchen, hat oft zur Folge, dass der Hund sich sehr aufregt oder sogar derart auf sein Spielzeug fixiert wird, dass er zum Spieljunkie mutiert, der wie ein Süchtiger dem „Motivationsobjekt“ in Herrchens oder Frauchens Hand nachjagt. Oft entsteht beim Hund dadurch ein sehr hoher Stresslevel. Hinzu kommt, dass dieses Spielzeug als Beute so viel Wichtigkeit im Leben unseres Hundes erhält, dass er schnell bereit ist, es gegen Artgenossen zu verteidigen, denn da, wo eine so wertvolle Beute ist, ist die Beuteaggression nicht weit. Last not least stellt sich für uns die Frage, wer wirklich einen Hund haben möchte, dessen Persönlichkeit so weit manipuliert wurde, dass ihn Sozialkontakte zu Artgenossen, das Schwimmen im Wasser oder das Toben über die Wiese nicht mehr interessieren, wenn das Objekt der Begierde in des Meisters Hand vorgeführt wird?! Wir finden es eher erschreckend und traurig, wenn uns Hundehalter mit zufriedener Miene erklären, nach langem Training könnten sie ihren Hund nun endlich an jedem Reiz vorbei führen, solange sie sein Bällchen hoch halten. Dies ist für uns keine Motivation mehr, sondern die Erzeugung von Abhängigkeit. Ebenso, wie der Drogensüchtige sich auf seine Droge nicht wirklich freut, sondern von ihr abhängig ist und ohne sie nicht leben kann. Wir wünschen uns motivierte Hunde, keine süchtigen.
  3. Als weitere Motivationsform gilt die positive Zuwendung in Form von Lob und Streicheln. Wir freuen uns über die gute Leistung unseres Hundes und teilen diese Freude mit ihm über freundliche Worte und zum Beispiel ein wohliges Kraulen über den Kopf. Manche Hunde sind davon sehr angetan, andere finden das o.k. und warten mit fragendem Blick auf die eigentliche Belohnung (z.B. leckeres Futter) und wieder andere finden diese Art der Zuwendung eher aufdringlich und könnten darauf gut verzichten. Dies hängt einerseits vom Charakter des Hundes ab, andererseits aber auch davon, wie Herrchen oder Frauchen loben und streicheln. Denken Sie immer daran, dass Hunde die menschliche Körpersprache oft ganz anders verstehen, als sie von uns gedacht war: Theatralisch anmutende Lobeshymnen mit weit ausladenden Armbewegungen, aufgeregtem Hüpfen und Quietschstimme werden unter Umständen eher als Warnsignal, Unsicherheit oder ungute Aufregung verstanden. Mit tiefer Bassstimme und resolut ausgesprochene Sätze wie „So ist es recht!“, während der Hund mit Klopfbewegungen auf dem Kopf „gestreichelt“ wird, nimmt er eher als Einschüchterung oder evtl. sogar als Aggression wahr. Die Engländer nennen diese Form des Lobes „Give him a headache!“, was so viel bedeutet wie „Mach ihm Kopfschmerzen!“ Eine freundliche, ruhige Stimme und ein sanftes Streicheln wären so mancher Hundeseele lieber. Wir empfehlen: Achten Sie auf die Reaktionen Ihres Hundes! Zeigt er durch Anschmiegen, dass ihm die Streicheleinheit gefällt, oder duckt er sich eher ab und versucht, sich den Berührungen zu entziehen? Wichtig bei der Motivation über positive Zuwendung ist, dass der Hund sie auch als angenehm und motivierend empfindet. Ansonsten ist es nämlich gar keine Motivation, sondern unter Umständen nur freudiger Überschwang unsererseits, weil der Hund gut mitgearbeitet hat.
  4. Zuletzt sei noch eine Motivationsart genannt, die Gott sei Dank von immer mehr Hundehaltern abgelehnt wird und nur noch bei sehr veralteten Trainingskonzepten zur Anwendung kommt: die Meidemotivation. Sie heißt deshalb so, weil der Hund motiviert ist, zu gehorchen, um die Reaktion des Halters zu vermeiden. Gearbeitet wird über einschüchternde Stimme, Schläge, Ziehen an den Ohren, Treten auf die Pfoten und andere Schmerz-einwirkungen, über Vereinsamung, Einschüchterung und psychisches Kaputtmachen, um den Hund dann wieder nach den Wünschen des Halters oder Trainers „aufzubauen“. Der Hund führt alle geforderten Handlungen so schnell wie möglich aus, soweit seine Angst dies zulässt, um einer solchen Strafe zu entgehen. Macht er seine Arbeit wirklich gut, werden von manchen Trainern sogar so genannte „Verleitungen“ aufgebaut, womit gemeint ist, dass der Hund absichtlich dazu gebracht wird, Fehler zu machen, damit man ihn dann wieder strafen kann. In einem Erziehungsvideo über Jagdhunde fällt zum Beispiel der Satz: „Nun müssen wir den Hund zum Ungehorsam zwingen, damit wir das Teletakt (Reizstromgerät) einsetzen können.“ Dieses vollkommen unlogische Vorgehen (Denn der Hund gehorcht ja bereits, und genau das war doch das Ziel, oder?!) lässt leider nur zwei Schlüsse zu: Absolutes fachliches Unvermögen oder eine perverse Lust, den Hund zu strafen, egal, ob er nun hört oder nicht. In dem gleichen Video ist übrigens ein Hund zu sehen, der vor lauter Angst so stark zittert, dass er sein Apportel kaum in den Fang nehmen kann, obwohl er weiß, was er tun soll. Der Ausbilder macht gut gelaunt weiter mit der „Ausbildung“ und bemerkt offensichtlich gar nicht, wie es dem armen Tier geht. So wenig Fachwissen macht wütend und so wenig Empathie macht Angst.

Wir sind froh, dass viele Hundehalter diese Methoden ablehnen und bewusst auf positive Motivation über Futterbelohnung, Spiel oder positive Zuwendung setzen. Aber auch die hat ihre Grenzen, und so hören wir immer mal wieder verzweifelte Sätze wie: „Da kann ich mit einer ganzen Fleischwurst vor seiner Nase herum-wedeln, er macht das trotzdem nicht. Obwohl er Fleischwurst liebt.“ Woran kann das liegen? Wir glauben, dass eine in Aussicht gestellte, attraktive Belohnung eben nur ein Teil der Motivation ist. Zwei weitere wichtige Aspekte dürfen nicht außer Acht gelassen werden:

1. Der Hund muss sich der Aufgabe gewachsen fühlen

Selbst wenn man uns als Belohnung ein wunderschönes Haus mit riesigem Garten und Swimmingpool anbieten würde, wären wir nicht motiviert, an eine Aufgabe heranzugehen, bei der wir davon ausgehen müssten, dass wir scheitern werden. Wir sind beide nicht sehr sportlich, und deshalb würden wir zum Beispiel die Aufgabe „Lauf morgen den 42-Kilometer-Marathon, dann kriegst Du das Anwesen“ gar nicht erst angehen, ganz egal, wie attraktiv die in Aussicht gestellte Belohnung ist. Im Gegenteil, unser Unvermögen, diese Aufgabe zu bewältigen, und der daraus resultierende Frust würden uns dem ganzen Thema Sport oder auch der Person, die uns dieses Angebot gemacht hat, genervt gegenüber stehen lassen.
Genau das gleiche Phänomen beobachten wir auch bei den Hunden. Sie trauen sich die gestellte Aufgabe nicht zu, weil sie zum Beispiel nicht schrittweise an sie herangeführt wurden, weil sie einfach zu schwierig für sie ist oder weil sie keine ausreichende Hilfestellung bekamen. Für den Außenstehenden sieht es so aus, als interessiere der Hund sich gar nicht für die Belohnung. In Wirklichkeit hat er aufgegeben, weil er sich hoffnungslos überfordert fühlt.
Auch wenn ein Irish Setter mit Leichtigkeit über eine Hürde springt, muss ein gleich großer, aber doppelt so schwerer Berner Sennenhund das nicht auch schaffen. Der über Monate ausgebildete Rettungshund läuft ohne Zögern über eine wackelnde Hängebrücke, nun soll der halbjährige Schäferhund des Vereinskollegen das auch
mal probieren – und scheitert natürlich, weil Herrchen oder Frauchen mit ihren Anforderungen geradezu größenwahnsinnig anmuten. Der Hund fühlt sich über-fordert und frustriert, er verliert an Selbstvertrauen und traut sich immer weniger an neue Aufgaben heran – oder zumindest an solche, die von dem Menschen gestellt werden, der ihn immer wieder überfordert hat.
Es ist also wichtig zu bedenken, dass die Motivation des Hundes auch ganz entscheidend von seiner Einschätzung abhängt, ob er sich der Aufgabe gewachsen fühlt und gute Chancen sieht, sie zu lösen.

2. Die Rahmenbedingungen müssen passen

Auch wenn die in Aussicht gestellte Belohnung stimmig ist und der Hund sich einer Aufgabe grundsätzlich gewachsen fühlt, kann die Motivation unzureichend sein. Dies ist dann der Fall, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Nehmen wir an, Sie könnten sehr gut kopfrechnen und man böte Ihnen 500,-- Euro dafür an, dass Sie drei Stunden lang einfache Rechenaufgaben im Kopf lösen. Klingt gut, oder?! Aber wie wäre es um Ihre Motivation bestellt, wenn diese drei Stunden mitten in der Nacht auf freiem Feld bei Schneeregen stattfinden sollten und Sie nur mit leichter Jeans und T-Shirt bekleidet wären? Oder auf einer seit Wochen nicht gereinigten Bahnhofstoilette? Dieses Szenario mutet auf den ersten Blick unrealistisch an, aber schauen wir mal näher hin: Auf vielen Hundeplätzen werden auch heute noch im Winter bei Eiseskälte lange Übungseinheiten mit „sitz“, „Platz“ und „bleib“ auf kaltem, matschigem Boden verlangt. Die Trainer und Hundehalter achten bei diesen Übungen nicht darauf, ob die Hunde frieren, es ihnen unangenehm ist, sich in den Dreck zu legen oder andere Rahmenbedingungen nicht stimmen. Die Hunde sollen einfach tun, was ihnen gesagt wird und damit fertig. Schließlich kennen sie das Kommando ja! Aber Rahmenbedingungen gehören eben auch dazu, und auf sie zu achten und damit die Bedürfnisse des Hundes zu würdigen, dazu möchten wir anregen, denn die meisten Menschen möchten ihrem Hund ja eigentlich Gutes tun.
Wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, sind unsere Hunde wenig bis gar nicht motiviert, angesagte Übungen auszuführen, obwohl sie diese eigentlich beherrschen und Leckerchen zur Belohnung in Aussicht gestellt werden. Passende Rahmenbedingungen können übrigens für jeden Hund anders aussehen. Die Herdenschutzhündin Emma, die vor einigen Jahren ins Training kam, legte sich ohne zu zögern beim schlechtesten Wetter für Stunden nach draußen, ihr dickes Fell schützte sie genug, mit ihr konnte man bei jedem Wetter arbeiten – außer bei Hitze, da konnte sie sich auf rein gar nichts konzentrieren. Zwei kurzhaarige Hunde, die zur Zeit trainiert werden, blühen dagegen bei Wärme auf und lernen die tollsten Sachen – sobald aber Regen vom Himmel fällt, muss das Training abgesagt oder in einen Innenraum verlegt werden, denn sie fangen sofort an zu zittern und zu frieren und ihre Motivation sinkt auf Null. Beide bekamen deshalb inzwischen einen Mantel.

Um den Hund zu guter Arbeit zu motivieren, sind also mindestens drei Dinge erforderlich:
- eine erstrebenswerte Belohnung,
- dass sich der Hund der Aufgabe gewachsen fühlt und
- passende Rahmenbedingungen.Betrachten Sie unter diesen Gesichtspunkten doch einmal, wie Sie in der letzten Zeit mit Ihrem Hund trainiert haben. Vielleicht können Sie das ein oder andere ändern, damit er in Zukunft (noch) besser motiviert ist? Wir wünschen viel Spaß und Erfolg bei der gemeinsamen Arbeit!

Clarissa v. Reinhardt, www.animal-learn.de
Marion Elstrodt

P.S.: Hiermit laden wir alle Hundefreunde ein, bei der Verbreitung dieses Textes zu helfen. Wir erlauben als Autorinnen ausdrücklich, ihn (vollständig, unverändert und unter Nennung der Quelle) auf anderen Homepages zu veröffentlichen, auszudrucken und zu verteilen oder auf ihn hinzuweisen.


Vom Tod und vom Leben

Wenn es um den Tod unserer Angehörigen geht, sind die meisten Menschen unseres Kulturkreises mit Verdrängungsmechanismen beschäftigt - ganz gleich, ob es sich um einen Mensch oder ein Tier handelt. Manchmal scheint es, dass über den Tod eines nahe stehenden Menschen sogar noch eher gesprochen werden kann als über den eines Haustieres, so stark berührt der Abschiedsschmerz. Besonders wurde mir das nach der Herausgabe des Buches „Abschied für länger“, das ich gemeinsam mit Anders Hallgren geschrieben hatte und das liebevoll von einer Freundin illustriert worden war, bewusst. Entstanden war es, weil uns immer wieder Menschen sagten: „Hätte ich das nur vorher gewusst...“ - zum Bespiel, wie wichtig eine gut gesetzte Euthanasie ist, die darüber entscheidet, ob der Hund wirklich sanft hinüber gleitet oder seinen eigenen Herzstillstand bei vollem Bewusstsein erlebt. Oder wenn es darum geht, den Körper (laut Tibetischen Totenbuch) nach seinem Tod noch 12 – 36 Stunden aufgebahrt zu lassen, damit sich die Seele leicht von ihm lösen kann, statt ihn eilig zu verbuddeln oder in der Tiefkühltruhe der Tierarztpraxis zurück zu lassen. Diese und viele weitere Punkte wie Trauerphasen, Trauerarbeit usw. schrieben wir nieder, machten ein wunderschönes Buch daraus – und die Erfahrung, dass es sich nur mäßig verkaufte. Manche Menschen schrieben uns dankbare und berührende Briefe, wie gut ihnen das Buch gefallen würde und wie sehr es ihnen in den schweren Stunden des Abschiednehmens geholfen habe. Aber noch öfter nahmen Menschen es am Büchertisch in die Hand oder fragten uns in persönlichen Gesprächen, worüber es handelte, um es entsetzt weg zu legen, sobald sie erfuhren, dass es darin um den Tod unserer Hunde geht. „Oh, nein, daran darf ich nicht denken.“ oder „Darüber kann ich nichts lesen, sonst heule ich nur noch.“ – sei es in Erinnerung an einen bereits verstorbenen Hund oder in Erwartung des Ablebens des noch lebenden.

Ich habe diese Reaktion nie wirklich verstanden, was sicher mit meiner Einstellung und meinem Glauben zusammen hängt. Meine Einstellung sagt, dass ich Fehler bei der Einschläferung eines mir anvertrauten Tieres nur vermeiden kann, wenn ich darüber informiert bin, wie diese ablaufen sollte und dass es deshalb meine Pflicht ist, mich mit dem Thema auseinander zu setzen. Gleiches gilt für die Frage, ob überhaupt eingeschläfert werden sollte, oder ob der Körper von allein sterben darf und wie ich meinen geliebten Hund dabei bestmöglich unterstützen kann.

Mein Glauben geht davon aus, dass mit dem Tod das Dasein eines Menschen oder Tieres nicht endet, sondern dass dieses Dasein lediglich in eine andere Form des Bewusstseins über geht. In unzähligen Tierkommunikationen mit meinen eigenen oder fremden Tieren erzählten mir Hunde, Katzen, Pferde oder andere Tiere, dass sie ihren Körper jetzt gerne verlassen würden, weil es mühsam und schmerzhaft geworden war, mit ihm zu leben. Nach ihrem Tod schickten sie mir Bilder von Leichtigkeit, Freiheit und Freude – also wirklich nichts, worüber man traurig sein könnte.

Andere Tiere sagten ganz klar, dass die Zeit zu gehen für sie noch nicht gekommen sei, obgleich sie vielleicht sehr krank waren oder sich in einer verzweifelten Lebenslage befanden – und sie behielten recht, denn tatsächlich war es dann immer so, dass sich noch wichtige Dinge ereigneten, bevor es Zeit für sie war zu gehen. Oftmals wendete sich ihre Situation zum Guten, manchmal mussten einfach noch Begegnungen stattfinden oder Ereignisse eintreffen, ehe sie sich in Ruhe verabschieden konnten. Die Tiere wissen immer sehr genau, wann es an der Zeit ist zu gehen und nehmen das recht gelassen hin.

Diese Ruhe und Gelassenheit habe ich auch oft beobachtet, wenn sich die anderen Tiere der Familie von dem verabschieden, das gerade gestorben ist. Aber das ist nicht bei allen so, denn manche sind auch voller Trauer, halten Totenwache, fressen lange nicht oder liegen nicht auf dem Lieblingsplatz des verstorbenen Gefährten, obwohl sie dies vorher taten. Manche brauchen Trost, manche Ablenkung, manche lange Zeit, ehe sie den Verlust verwinden - andere nicht. Die Gefühle sind offensichtlich ebenso unterschiedlich wie beim Menschen und hängen unter anderem auch davon ab, wie das Tier zu dem verstorbenen stand. Lebten sie eher in einer Zweck-WG oder waren sie innig miteinander verbunden? Bei den ganz innig miteinander verbundenen passiert oft das, was auch bei Menschen geschieht, die lange Jahre glücklich miteinander lebten – geht der eine, folgt der andere bald nach.

Als überzeugte Mehrhunde- und Mehrkatzenhalterin habe ich natürlich häufiger mit dem Tod eines Tieres zu tun, als jemand, der nur einen Hund oder eine Katze hat. Mein Mann und ich lebten bis vor kurzem mit acht Hunden und vier Katzen zusammen. Im vergangenen Winter verließen uns innerhalb weniger Wochen zwei Katzen und ein Hund, es war eine intensive Zeit des Abschiednehmens, manchmal traurig, aber auch voller inniger Momente des Wissens, dass wir miteinander verbunden bleiben, auch wenn das irdische Dasein einiger von uns jetzt endet. Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt der Familie war ein Trost. Als Preciosa starb, eine Katze, die mich viele Jahre begleitete und zu der ich eine sehr innige Beziehung hatte, kam ihre Tochter Antonia und setzte sich schnurrend neben mich. Sie war hier, sie war für mich da. Gemeinsam beerdigten wir ihre Mutter im Garten. Viele dieser besonderen Momente durften wir schon erleben – man muss sich allerdings für sie öffnen, um sie wahrnehmen zu können.

Manche Menschen sagen, dass sie nach dem Tod ihres Tieres nie wieder eines haben wollen, weil der Verlust zu weh täte. Manche haben das Gefühl, den verstorbenen Hund zu „verraten“, wenn sie ihre Zuwendung einem anderen schenken. Ihnen gebe ich das folgende Gedicht:

Testament eines Hundes

Wenn Menschen sterben, machen sie ein Testament,
um ihr Heim und alles, was sie haben, denen zu hinterlassen,
die sie lieben.

Ich würde auch solch ein Testament machen, wenn ich schreiben könnte.
Einem armen, sehnsuchtsvollen, einsamen Streuner würde ich
mein glückliches Zuhause hinterlassen, meinen Napf, mein kuscheliges Bett,
mein weiches Kissen, mein Spielzeug und den so geliebten Schoß,
die sanft streichelnden Hand, die liebevolle Stimme,
den Platz, den ich in jemandes Herzen hatte,
die Liebe, die mir zu guter Letzt zu einem friedlichen und schmerzfreien Ende
helfen wird, gehalten im tröstenden Arm.

Und wenn ich einmal sterbe, dann sag bitte nicht:
„Nie wieder werde ich einen Hund haben, der Verlust tut viel zu weh!“
Such Dir einen einsamen, ungeliebten Hund aus und gib ihm meinen Platz.
Das ist mein Erbe.
Die Liebe, die ich zurück lasse, ist alles, was ich geben kann.

Dieses wunderschöne Gedicht hat mich daran erinnert, selbst ein Testament zu machen. Der Tod gehört zum Leben und jedem von uns ist klar, dass ein Hund in der Regel vor seinem Menschen stirbt – was in gewisser Weise ja auch gut ist, denn jeder verantwortungsvolle Hundehalter stünde sonst vor der Frage, was aus seinem Tier werden soll, wenn er vor ihm stirbt. Aber obgleich ich noch nicht sooo alt bin, habe ich für diesen Fall, der im Grunde täglich eintreten kann, vorgesorgt und ein Testament geschrieben, das unter anderem regelt, wer sich um meine menschlichen wie tierlichen Gefährten kümmert, sollte mir etwas zustoßen. Ich brauchte mehrere Tage, um alles aufzuschreiben, was mir wichtig erschien und bekam in dieser Zeit mehrfach Anrufe von Freunden, die fragten, was ich denn so machte, ob wir uns treffen wollten usw. Auf meine Antwort, dass ich gerade an meinem Testament schreiben würde, erhielt ich Antworten wie „Oh mein Gott!“, „Wieso, bist Du unheilbar krank?“ oder „Entschuldige, das ist ja....“ Ja, was eigentlich? Was ist es? Das kommt doch nur auf die Betrachtung an. Ich fand es gar nicht furchtbar. Ich hatte ja nicht vor, zu sterben und bin erfreulicher Weise auch noch gesund und fit. Für mich war es nichts weiter, als das Aufschreiben meiner Wünsche im Falle meines Todes – und es beruhigt mich bis heute zutiefst, dass alles geregelt ist, sollte er eintreten. Für alle meinen Lieben wird gesorgt sein. Also auch so betrachtet ist es sinnvoll, sich dem Thema zu stellen, ohne gleich trübsinnig zu werden. Ich habe beim Schreiben immer schmunzelnd an eine Liedzeile von Reinhard Mey gedacht, in der es heißt „Dieses ist mein letzter Wille, doch ich hoffe sehr dabei, dass der Wille, den ich hier schreibe, doch noch nicht mein letzter sei...“

In anderen Kulturkreisen geht man viel selbstverständlicher und weniger problembelastet an das Thema des Sterbens, des Todes heran. Eine indianische Weisheit sagt:

Steh nicht weinend an meinem Grab.
Ich bin nicht dort unten. Ich schlafe nicht.

Ich bin tausend Winde, die wehen.
Ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee.
Ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn.
Ich bin der sanfte Regen im Herbst.
Wenn Du erwachst in der Morgenfrühe,
bin ich das schnelle Aufsteigen der Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht.

Stehe nicht weinend an meinem Grab.
Ich bin nicht dort unten. Ich schlafe nicht.

Für mich bedeutet die Auseinandersetzung mit dem Tod und der Endlichkeit eines jeden von uns, intensiver zu leben. So viele Momente wie möglich auszukosten, im Hier und Jetzt. Nicht davon auszugehen, dass die Anwesenheit des anderen selbstverständlich ist, sondern sie als ein Geschenk des Lebens zu sehen. Und wenn es an der Zeit ist zu gehen, bleiben wir trotzdem miteinander verbunden - wenn unser Glaube das zulässt.


ZIEHEN AM HALSBAND ERHÖHT DEN AUGENDRUCK SIGNIFIKANT

Eine äußerst wichtige Untersuchung für alle Hunde, die stark am Halsband ziehen und die womöglich aufgrund ihrer Rasse oder Anatomie zum Glaukom neigen: Der intraokuläre Druck wird bei Zug am Halsband kurzfristig massiv erhöht, wie diese brandneue Untersuchung zeigt. Der dringende Rat: Brustgeschirr - so wird der IOP nicht verändert!

Bei 51 Augen von 26 Hunden wurde der intraokuläre Druck (IOP) von Hunden, die an Halsband oder Brustgeschirr zogen, gemessen. Der Druck, mit dem der jeweilige Hund gegen Halsband bzw. Brustgeschirr zog, wurde zunächst ermittelt. Der IOP wurde gemessen, während der individuell ermittelte Druck einwirkte.

Der IOP stieg signifikant, wenn der Hund massiv gegen das Halsband, nicht aber, wenn er gegen das Brustgeschirr zog. Basierend auf diesen Resultaten wird dringend empfohlen, Hunde mit schwacher oder dünner Cornea, Glaukom oder Erkrankungen, für die eine Erhöhug der IOP fatal wäre, nur noch am Brustgeschirr statt am Halsband zu führen. Das gilt besonders während der `Arbeit` oder beim Spaziergang.

 

 

Ein weiterer Grund, warum ein Brustgeschirr einem Halsband in jedem Fall vorzuziehen ist!

Quelle: Amy M. Pauli, Ellison Bentley, Kathryn A. Diehl, Paul E. Miller (2006): Effects of the Application of Neck Pressure by a Collar or Harness on Intraocular Pressure in Dogs. In: Journal of the American Animal Hospital Association 42:207-211 (2006)