Hilfe für den Hund am Silvestertag

Hilfe für den Hund am Silvestertag – oder:
Ist die Menschheit verrückt geworden?

„Alle Jahre wieder...“ kommt leider nicht nur das Christkind, sondern pünktlich eine Woche später auch die große Knallerei. Weihnachten gilt als stilles und besinnliches Fest, an dem es gar nicht ruhig genug sein kann, selbst unser altes deutsches Liedgut preist die „Stille Nacht, heilige Nacht...“ , aber nur sieben Tage später scheint die Menschheit regelmäßig verrückt zu werden. Es kann gar nicht laut und grell genug werden – ganz gleich, einen wie hohen Preis wir dafür zahlen.

Ebenfalls fragt sich alle Jahre wieder der gesunde Menschenverstand, wie es sein kann, dass angesichts (ver)hungernder Menschen und Tiere, einer kriselnden Weltwirtschaft und scheinbar nicht lösbarer Umweltprobleme, die uns irgendwann alle miteinander mit einem ganz großen Knall ins Jenseits befördern könnten, überhaupt ein Mensch so verrückt sein kann, Geld für Raketen, Böller und Tischfeuerwerk auszugeben?! Ja wissen die Leut` denn wirklich nichts Besseres damit anzufangen? Für die ganz Ideenlosen wüsste ich da ein paar Umwelt- und Tierschutzorganisationen, die um jeden Cent dankbar wären. Auch das Frauenhaus, die Welt-hungerhilfe und Aktion Mensch hätten sicher einen besseren Verwendungszweck für die Milliarden, die da alljährlich in die Luft gepulvert werden.

Und nun möge mir bloß keiner mit der Tradition kommen! Ach, so vieles wird unter dem Deckmäntelchen der Tradition fortgeführt, so vieles, das man lieber bleiben lassen sollte: Der Stierkampf, die Treibjagd, Pferderennen oder auch die Unterdrückung der Frau, die nach wie vor in vielen Ländern dieser Erde zur guten (?) alten Tradition gehört. Na ja, manchmal ist die Tradition halt auch mehr alt als gut und gehört einfach abgeschafft. Es lohnt, darüber nachzudenken.

Als Tierhalterin habe ich mir die Knallerei schon als Jugendliche abgewöhnt. Zu sehr taten mir die Hunde (und Katzen!) leid, wenn sie sich zitternd unter der Eckbank verkrochen und tagelang nicht mehr aus dem Haus trauten. Ich dachte an die Wildtiere, die ebenfalls voller Angst und Schrecken flüchten und Schutz suchen vor einer nicht benennbaren und nicht verstehbaren Gefahr.

In meiner Hundeschule mehren sich jetzt wieder die Anrufe der Verzweifelten, die fragen, ob ich Tipps hätte, wie man mit dem geliebten Vierbeiner die Jahreswende halbwegs schadlos übersteht. Immer wieder stellt man mir die Frage, ob ich mich da auskenne. Oh ja, da kenne ich mich sogar sehr gut aus, denn drei meiner sieben Hunde haben schreckliche Angst und zwei fürchten sich zumindest etwas. Mit den folgenden, jahrelang im Ernstfall erprobten Tipps kommen wir ganz gut über die Runden:

Die einfachste Lösung zuerst: Hauen Sie mit Ihrem Hund einfach für ein paar Tage ab. Buchen Sie eine einsame Berghütte irgendwo im Nirgendwo. Das müssen Sie allerdings rechtzeitig tun, denn einsame Berghütten gibt`s bei weitem nicht so viele wie genervte Hundehalter, die diese zur Jahreswende händeringend suchen. Reisen Sie schon ein paar Tage vor Silvester ab und bleiben Sie auch etwas länger, denn wie wir alle wissen, beginnt die Knallerei schon Tage vor dem ganz großen Spektakel und zieht sich auch noch bis zum zweiten oder dritten Januar hin.

Wenn diese Lösung nicht möglich ist, wäre mein wichtigster Tipp, dass Sie Ihrem Hund so viel Ruhe wie möglich vermitteln und durch Idolfunktion vorleben, dass Ihnen der ganze Rummel gar nichts ausmacht. Für mich ist dies zugegeben der schwierigste Part, denn tatsächlich könnte ich jedem, der da draußen rumknallt, ebenfalls eine knallen – kleine Kinder, die noch nicht wissen, was sie tun, ausgenommen.

Durch die Stimmungsübertragung beeinflussen wir unsere Hunde ganz enorm, je gelassener Sie also sind, desto eher kann Ihr Hund sich zumindest etwas beruhigen. Aber erwarten Sie bitte nicht, dass Ihr Hund keine Angst mehr hat, nur weil Sie keine haben, denn ganz so einfach läuft es nicht. Es ist etwa wie bei einem bevorstehenden Besuch beim Zahnarzt, der Ihnen große Angst macht: Ein Partner, der Ihnen Mut zuspricht und Gelassenheit ausstrahlt, hilft zumindest etwas – einer der glaubt, man brauche doch keine Angst haben, weil er/ sie ja schließlich auch keine Angst hat, hilft überhaupt nicht, sondern nervt einfach nur.

Tipp Nummer zwei steht in direktem Zusammenhang mit Tipp Nummer eins: Haben Sie Zeit für Ihren Hund, stehen Sie ihm durch Anwesenheit zur Verfügung und ermöglichen Sie ihm das Kontaktliegen, wenn er es wünscht. Hierbei müssen Sie aber sehr präzise arbeiten, damit es nicht zu einer so genannten unbewussten Bestätigung kommt. Keinesfalls heißt dies nämlich, dass Sie Ihren Hund auf den Arm nehmen, herumtragen oder auf den Schoß setzen sollen, während Sie ihn streicheln und in endlosen Litaneien bedauern, denn dieses Verhalten würde die Angst Ihres Hundes nur verstärken. Allerdings sollten Sie andererseits auch keinesfalls – wie von manchen Trainern empfohlen – Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat. Dieser Tipp, der die oben genannte „unbewusste Bestätigung“ verhindern soll, ist weit über das Ziel hinaus geschossen, denn wenn Sie Ihren Hund ignorieren, wenn er Angst hat, was vermitteln Sie ihm dann?! Dass Ihnen seine Angst vollständig egal ist und er sich an jemand anderen wenden muss, wenn er Unterstützung und Schutz braucht – und das ist für eine gute Bindung und ein angestrebtes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Halter das reinste Gift! Deshalb haben wir seit Jahren ein Ritual eingeführt, das bestens funktioniert:

Unser Wohnzimmer wird zu einer Liegelandschaft umgebaut. Zugegeben, bei nur einem Hund oder zweien ist das nicht nötig, es reicht ein bequemes Sofa, aber wir haben ja sieben... Einer von uns hält sich die meiste Zeit über auf der „Liegewiese“ auf, meistens lesen wir oder telefonieren mit Freunden. Die Hunde kommen ganz von selbst und suchen den Körperkontakt, wenn die Knallerei losgeht. Sie legen sich mit hin, dürfen sich ankuscheln und unsere Nähe spüren. Einem von ihnen hilft es besonders, wenn wir ihn mit einer Decke so zudecken, dass nur noch sein Kopf rausschaut – er fühlt sich so eingehöhlt sicherer. Wenn die, die besonders große Angst haben, anfangen zu hecheln oder uns anzupföteln, reagieren wir darauf nur geringfügig und sagen einfach nur kurz „Ist schon o.k.“ oder Ähnliches und strahlen weiterhin heitere Gelassenheit aus. Um diese Stimmung zu erzeugen, helfen übrigens Bücher des Dalai Lama ausgesprochen gut! J

Zusätzlich läuft bei uns der Fernseher in einer Lautstärke, die gut erträglich ist, aber doch den Lärm von draußen zumindest teilweise abmildert. Diese Geräuschkulisse kann die Knallerei natürlich nicht übertönen, dann würden uns – und besonders unseren Hunden, deren Gehör viel feiner ist – ja die Ohren weh tun. Aber sie verhindert eine allzu starke Fokussierung auf die Knallgeräusche. Der besondere Tipp: Auf 3 SAT laufen jedes Jahr ab 11.00 Uhr vormittags bis weit nach Mitternacht Mitschnitte von tollen Live-Konzerten der vergangenen Jahre. Echte Sahnestücke der Musikgeschichte, von Phil Collins über U2, Michael Jackson, Pink oder Tina Turner, es ist für so ziemlich jeden Musikgeschmack etwas dabei.

Sehr hilfreich ist auch eine CD, die es als Beigabe zu dem Buch „Mit den Ohren eines Hundes“ (sehr zu empfehlen!) gibt. Die auf ihr zu hörende Musik wurde nach jahrelangen Forschungen auf dem Gebiet der Psycho-Akustik arrangiert und ist speziell auf das akustische Wahrnehmungsvermögen von Hunden abgestimmt. Sie wirkt beruhigend und wird bereits erfolgreich in Tierheimen, Hundepensionen und Tierkliniken eingesetzt.

Sobald es am Nachmittag auch nur ansatzweise dämmrig wird, machen wir überall im Haus das Licht an, um die von draußen kommenden Lichtreflexe zu mildern. Sollten Sie Gardinen oder Rollos haben, sollten Sie diese schließen. Manchmal hört man den Tipp, mit dem Hund am besten in den Keller zu gehen, im Idealfall in einen Keller ohne Fenster. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn Sie das nicht ausschließlich zu Silvester tun – sonst kann es schnell passieren, dass der Hund bereits das Heruntergehen in den Keller fürchtet, weil es für ihn in direktem gedanklichen Zusammenhang mit der Knallerei steht. Sollten Sie aber eine Art eingerichteten Hobbyraum haben, den Sie regelmäßig nutzen, kann es tatsächlich hilfreich sein, Silvester dort unten zu verbringen, bis gegen 2.00 oder 3.00 Uhr nachts zumindest die schlimmste Knallerei vorbei ist.

Die Gassi-Runden reduzieren wir auf kurze Gänge in der Nähe des Hauses, damit die ängstlichen Hunde das Gefühl haben, jederzeit auf dem schnellsten Weg wieder nach Hause zu können. Ist „die Fluchtburg“ in kürzester Zeit erreichbar, fühlt sich so mancher Hund zumindest etwas besser. Wenn Sie einen Garten haben, können Sie das Rausgehen auch auf diesen beschränken. Wir gehen am 31. Dezember immer eine ganz lange Runde sehr früh am Morgen, so gegen 6.00 Uhr – da ist es noch weitgehend ruhig. Danach bleiben wir mit den ängstlichen Hunden auf unserem Grundstück.

Wenn Sie einen Hund haben, der in Panikattacken verfällt, wenn er es – selbst in größerer Entfernung – knallen hört, dann führen Sie ihn an den Tagen rund um Silvester mit doppelter Leinensicherung und bleiben Sie in der Nähe Ihres Hauses oder Ihres offen stehenden (!) Autos, denn für diese Hunde ist das Erreichen „der Fluchtburg“ eine Frage des Überlebens.

Von der häufig empfohlenen Gabe von Medikamenten möchte ich dringend abraten! Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass jedes Psychopharmaka eine so genannte Umschlagwirkung zeigen kann. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Hund nicht beruhigt, sondern ganz im Gegenteil, jetzt erst richtig hoch gefahren wird. Der Kreislauf wird aktiviert, der Puls rast wie verrückt, der Hund kommt nicht mehr zur Ruhe und der so gestresste Organismus nimmt die Außenreize durch die Adrenalinausschüttung noch stärker wahr. Vor ein paar Jahren wurde ich am Silvesterabend von einer völlig verzweifelten Hundehalterin angerufen, bei deren Eurasier-Rüden genau das passiert war. Der Hund drehte völlig durch, speichelte, raste fieberhaft nach Unterschlupf suchend durch das Haus und war kaum noch ansprechbar. Die Tierärztin, die das Mittel verschrieben hatte, empfahl am Telefon, den Hund in die Praxis zu bringen, was vollkommen ausgeschlossen war für die Halterin, weil er sich nicht einmal mehr anfassen ließ, ohne deutlich drohend zu fletschen – was er übrigens sonst nie tat! Als ich nach halbstündiger Fahrt dort ankam, war der Hund bereits so durchgedreht, dass ich einen Kreislaufkollaps befürchtete. Uns blieb also nichts anderes übrig, als uns auf den Hund zu stürzen, ihn – halb im Würgegriff – ins Auto zu zerren und in die Klinik meines Vertrauens zu bringen. Dort wurde er in Narkose gelegt, um ihn erst einmal ruhig zu stellen. Dann wurde er an den Tropf gehängt, um die Wirkstoffe in seinem Körper möglichst schnell auszuschwemmen. Es dauerte mehr als 14 Tage, ehe dieser Hund sich halbwegs erholt hatte und sein Frauchen und mich wieder vertrauensvoll an sich heran ließ. Er war damals fünf Jahre alt und ich kannte ihn seit seiner Welpenzeit. Er hatte uneingeschränktes Vertrauen zu mir und seiner Halterin bis zu diesem Abend gehabt ...

In einem anderen Jahr rief mich am 05. Januar eine Dame an, deren Hund sich seit Silvester völlig verändert hatte. Er zitterte, sobald er nur angesprochen wurde und reagierte extrem auf jegliche Außenreize, die mit Geräuschen oder Licht zu tun hatten. Er flüchtete zum Beispiel in Panik unter den Küchentisch, als vor dem Haus die Straßenlaterne anging. Beim Beratungsgespräch stellte sich dann heraus, dass auch dieser Hund auf Anraten eines befragten Tierarztes Medikamente verschrieben bekommen hatte. Er wählte ein Mittel aus, das hauptsächlich auf der Basis eines Muskelrelaxans wirkte, das Bewusstsein aber kaum beeinflusste. Im Klartext bedeutete dies, dass dieser arme Hund, der schon immer große Angst vor Silvester hatte, alles um sich herum mitbekam, aber unfähig war, sich zu bewegen. Gefangen im eigenen Körper konnte er weder hecheln, noch herumlaufen oder sich verkriechen, so wie er es sonst immer getan hatte. Die Folgen waren fatal – dieser Hund erlitt ein Trauma, von dem er sich nie mehr richtig erholte.  Er hatte für den Rest seines Lebens Probleme und die Halterin verfluchte den Tag, an dem er das „Beruhigungsmittel“ bekommen hatte.

Ich könnte noch einige solcher Beispiele nennen, die ich im Laufe der Jahre miterlebt habe. Es waren weit mehr als nur diese beiden und aus diesem Grund würde ich die Gabe von Medikamenten nicht empfehlen. Ich kenne keinen einzigen Hund, der sich nicht über kurz oder lang wieder erholt hätte nach der Knallerei – aber einige, die durch Medikamentengabe traumatisiert wurden. Selbstverständlich gibt es auch Hunde, die die Medikamentengabe gut vertragen – nur weiß man vorher nicht, ob es so sein wird und mir ist das Risiko für die mir anvertrauten Tiere definitiv zu groß, falls es nicht so sein sollte.

Hingegen macht eine Kollegin von mir recht gute Erfahrungen mit der Gabe von Bach-Blüten. Suchen Sie sich einen seriösen Therapeuten, der eine individuelle Mischung für Ihren Hund zusammenstellt. Die im Handel erhältlichen, fertigen Mischungen möchte ich Ihnen nicht empfehlen, da sie der eigentlichen Lehre Bach`s und seinem Verständnis über die Wirkung der Blütenmittel nicht entsprechen. Eine Umschlagwirkung ist hier nicht bekannt, es soll aber nicht verschwiegen werden, dass es in seltenen Fällen zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen kann, ähnlich wie wir sie aus der Homöopathie kennen. Sollte diese gerade an Sylvester auftreten, wäre das natürlich fatal. Deshalb ist eine vorherige Gabe zum Ausprobieren empfohlen.

Einigen Hunden hilft auch der D.A.P.-Stecker recht gut, der im Fachhandel erhältlich ist. D.A.P. ist die Abkürzung für Dog Appeasing Pheromone. Diese Pheromone sind Duftstoffe, die eine Mutterhündin während der Laktationsphase zwischen der Milchleiste absondert und die beruhigend auf die Welpen wirken. Man fand heraus, dass diese Wirkung auch noch bei erwachsenen Hunden eintritt und schließlich gelang es, diese Pheromone zu synthetisieren. Steckt man nun diesen Stecker in die Steckdose, wird der Geruch der Pheromone ausgeströmt. Wichtig ist hierbei allerdings, dass Sie dem Hund die Gelegenheit geben, den Raum zu verlassen, wenn er das wünscht, denn nicht alle Hunde mögen diesen Geruch und nicht auf alle wirkt er beruhigend! Beobachten Sie Ihren Hund, ob er sich freiwillig in die Nähe des Steckers begibt und tatsächlich ruhiger wird oder ob ihm dieser Geruch völlig egal zu sein scheint oder er sogar den Raum verlässt. Auch hier ist es sinnvoll, nicht erst am Sylvesterabend auszuprobieren, welche Reaktionen Ihr Hund zeigt, fangen Sie ruhig schon ein bis zwei Wochen vorher damit an. Auf gar keinen Fall sollten Sie die ebenfalls erhältlichen D.A.P.-Halsbänder verwenden, denn einmal angelegt kann der Hund sich eben nicht mehr frei entscheiden, ob er den Geruch sucht oder meidet, sondern ist ihm ausgeliefert. Interessant ist, dass der Hersteller anfangs, als es nur die Stecker gab, selbst ausdrücklich darauf hinwies, wie wichtig es ist, dem Hund die Möglichkeit zum Ausweichen zu geben. Trotzdem hat er dann die Halsbänder und auch noch ein Spray auf den Markt gebracht. Man macht sich so seine Gedanken, was hinter diesem Sinneswandel steckt...

Für viele Menschen ist übrigens unklar, warum Hunde gerade vor Silvester so große Angst haben. Manchmal sogar solche, die zum Beispiel keine Probleme mit Schüssen oder Gewitter haben. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass durch die Knallerei gleich mehrere Sinne deutlich überstrapaziert werden: Der Gehörsinn durch den Lärm, der Gesichtssinn (die Augen) durch die ungewohnten und in großer Anzahl auftretenden Lichtreflexe und der Geruchssinn durch den Gestank, den die Böller verursachen und der ebenfalls ungewohnt ist für den Hund.

Abschließend wünsche ich Ihnen und Ihrem Hund (oder Ihren Hunden) eine möglichst ereignislose Silvesternacht und hoffe, dass die hier zusammengefassten Tipps helfen, mit möglichst viel Ruhe und Frieden ins neue Jahr zu kommen!

Clarissa v. Reinhardt
www.animal-learn.de

P.S. : Als Autorin erlaube ich ausdrücklich, diesen Text ungekürzt, unverändert und unter Nennung der o.g. Quelle weiträumig zu verbreiten. Wenn Sie ihn erhalten haben, freue ich mich, wenn Sie ihn an Freunde und Bekannte weiter schicken, ihn in Foren oder auch gern auf Ihre eigene Homepage stellen. Sie dürfen ihn auch ausdrucken, kopieren und verteilen. Desto mehr Menschen er erreicht, desto mehr Tieren kann hoffentlich geholfen werden.

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Sprühhalsbänder (SP)

¡Déjame en paz!

El texto que puedes leer a continuación está enviado por la adiestradora de perros alemana Clarissa v. Reinhardt sobre aprendizaje animal, traducido del ingles por Elena Álvarez.

En la actualidad, muchos adiestradores recomiendan el uso de collares de citronela, un producto que se ha puesto de moda para educar a los perros. Dichos collares, que emiten una suave fragancia supuestamente inofensiva, han ganado prestigio desde que la popular cuidadora de perros Katja Geb-Mann empezara a promocionarlos en su programa semanal de la televisión alemana, demostrando que no hay problema que tenga el perro, que no pueda solucionarse mediante el simple accionamiento de un mando a distancia.

Sin embargo, el sentido común nos advierte que algo debe esconderse detrás de lo que los fabricantes y usuarios de este producto califican de inofensivo. Resulta un tanto extraño que algo que supuestamente no le importa nada al perro pueda cambiar comportamientos instintivos y genéticamente programados, como el de la caza. A la gente se le pide que pruebe a ponerse el collar mientras el adiestrador activa el dispositivo y… ¡no está nada mal! Apenas un soplo de humedad, de aire fresco. “Es verdad, no me dolió nada” confirma convencido el dueño del perro. Pero los productores y adiestradores no informan (bien porque no lo saben, bien porque temen perder beneficios) de que los sonidos repentinos que parecen venir de la nada asustan a los perros.

¿Ha observado usted que los perros dan vueltas y vueltas antes de echarse a dormir? Desde un punto de vista biológico, esta acción tiene sentido. Se trata de un comportamiento heredado de los canes primigenios, que vivían en el exterior. Previamente al acto de tumbarse en la hierba, se giraban para sentirse seguros. En caso de escuchar un sonido extraño (como el silbido de una serpiente), saltaban a otro lado. ¡Y ahora estamos empleando este ruido, que provoca tanto miedo en ellos y que se genera justo debajo de sus barbillas! Si pulsamos el botón un par de veces, sentirán, más que miedo, verdadero pánico –¡sin posibilidad de escapatoria!

Este hecho es, por sí solo, razón suficiente para no usar nunca este aparato en nuestros amados animales de compañía. Sin embargo, existen más problemas relacionados con su uso.

Los perros nunca saben cuándo y por qué les está pasando esto, por lo que están esperando de forma permanente a que ocurra. Si desea saber cómo puede llegar a sentirse, puede realizar un sencillo experimento sobre usted mismo: pida a un miembro de su familia o a un amigo que le dé sustos de los llamados de muerte -pueden chillarle con fuerza o encender repentinamente el radiocasete cuando menos se lo espere; por ejemplo, mientras usted se relaja en su sillón favorito o juega a las cartas con sus amigos- en horas aleatorias. El experimento ha de continuar al menos unas horas, o incluso días, y usted debe ser asustado varias veces sin saber en qué momento va a suceder. Pronto se dará cuenta de que el susto en sí no es tan malo como los interminables minutos en que está temiéndolo. Aunque no quiera que ocurra, casi espera a que no pase mucho tiempo antes de que ocurra para que pueda descansar un rato después –lo que ni tan siquiera es el caso, porque puede repetirse de forma inmediata- cuandoquiera que su amigo guste. No suena muy bonito, ¿verdad?

Otro gran problema asociado es el hecho de que el perro aprende por asociación de unas cosas con otras. Digamos que Fido lleva puesto el collar y recibe el shhhh porque no ha reaccionado a varias llamadas para que vaya. Usted hace esto porque quiere enseñarle que será castigado en caso de no obedecer. Sin embargo, hay muchas posibilidades de que, en ese preciso instante, vea un niño, un corredor u otro perro/a, que entonces conectará con el castigo. Entonces obtendrá un perro que sigue sin reaccionar a sus llamadas, pero se siente asustado o incluso agresivo hacia la persona o animal que vio. La gente no tiene ni idea de por qué a su perro ya no le gustan los niños y ladra a los corredores, cosa que no hacía antes.

Yo trabajo con muchos de estos casos en mi escuela para perros. Muy recientemente conocí a un Ridgeback de Rodesia macho, cuyo collar se activaba siempre que estaba a punto de irse a cazar. Sin embargo, su perro de compañía hembra estaba siempre presente también en esas salidas. Sus compañeros humanos no vinieron a verme con respecto al tema de la caza, sino porque el macho parecía evitar la compañía femenina. Siempre que ella entraba en la habitación o quería acurrucarse con él (como hacía a menudo), él abandonaba la habitación con síntomas de ansiedad y nadie sabía por qué. ¡Qué les han hecho a estos perros! ¿Qué clase de sentimientos les han provocado los humanos? El perro se empezaba a asustar de su amiga, a la que tanto quería. Ella, por otro lado, no podía entender la razón por la que él ahora la evitaba, cuando, en el pasado, solían jugar y divertirse juntos. Por su parte, el adiestrador que recomendó el collar piensa ahora que fue una buena idea que los perros se distanciaran porque han evolucionado de formas muy diferentes y, sencillamente, ya no se llevaban bien. Dijo que los miedos del macho debían ser atribuidos al carácter dominante de la hembra. Podría llorar cuando veo perros así, o tal vez enfadarme mucho.

El asunto empeora al considerar que, entre perros, ningún elemento se generaliza tan rápido como el miedo a los ruidos. Muchos de ellos desarrollan un miedo a los ruidos después de haber tenido que llevar un collar de citronela. Ahora se asustan de cosas que antes no les daban miedo, como la apertura de una lata de refresco, el ruido del aceite caliente en una sartén, sonidos de golpes y disparos. El Ridgeback de Rodesia del que hablaba más arriba corrió a esconderse debajo de la mesa cuando abrí mi botella de agua. No hice esto porque tuviera sed –lamentablemente, se ha convertido en uno de mis procedimientos habituales para conocer y analizar un perro nuevo, con el fin de comprobar si la gente ha usado un collar de citronela con él o ella. Su compañera humana estaba realmente sorprendida cuando afirmé, después del truco de la botella, que se había usado este instrumento con él. Ella no había previsto el contármelo, pues conocía que yo no apruebo su uso. Se sorprendió mucho cuando le conté la reacción de su perro a la botella. Y se enfadó cuando le expliqué la razón por la que su perro tenía ahora miedo de su compañera y de otros ruidos. Estaba enojada con el adiestrador que no le habló sobre los efectos secundarios del collar, sino que le reiteraba lo simple e inofensivo que era. Me tengo que preguntar a mí misma si mis colegas que usan este mecanismo no conocen los efectos secundarios o simplemente no se los cuentan a la gente, porque de otro modo nadie les permitiría usarlos. No sé qué es peor.

Por último, y no menos importante, existen también problemas técnicos con estos collares. Se ha informado de que los collares de citronela pueden ser activados por otras radiofrecuencias o incluso por un mando a distancia de otro collar cercano. Eso significa que un perro que está simplemente allí, jugando o haciendo cualquier otra cosa, puede sufrir el castigo. Por supuesto, esto provoca que el perro lo espere todavía más a menudo, lo cual multiplica las probabilidades de realizar una asociación errónea.

De modo adicional, estos collares no siempre funcionan adecuadamente y pueden fallar o retrasarse por causa de la humedad ambiental (niebla o lluvia). Además, no avisan con anticipación del momento en que se agotarán las pilas, por lo que se podría estar presionando el botón sin que nada ocurra -lo que tendría el efecto de elogiar a Rover por un comportamiento negativo (dando por hecho que alguna vez lo entendió como castigo). El perro, entonces, aprende que simplemente tiene que hacer algo una y otra vez para conseguir el éxito (por ejemplo, no ser castigado por el collar).

No hay duda: los collares de citroneta, lejos de resultar inofensivos, resultan ser peligrosos. Algunos perros están tan traumatizados por ellos que han desarrollado una “indefensión aprendida”, que les lleva a no hacer casi nada, debido al miedo constante de castigo que parece venir de la nada. Rehabilitar a estos animales -y ayudar a sus desesperados compañeros humanos- a menudo requiere un entrenamiento apropiado a largo plazo para sacarlos de su desamparo y liberarlos de sus miedos. Se supone que los collares de citronela constituyen una rápida solución a todos los problemas, reales o imaginarios. Pero no es así de sencillo. Los perros son seres sensibles e inteligentes, a los que no se puede manipular, y presentan formas de aprendizaje muy diferentes de las nuestras. Insto a la gente a que se informe e investigue acerca de todos los métodos recomendados por los adiestradores antes de probarlos en sus perros.

Cuando haya duda, la mejor forma de decidir es aplicando la Regla de Oro: no hagas a los demás lo que no te gustaría que te hicieran a ti.

© Clarissa v. Reinhardt
animal learn


Sprühhalsbänder (EN)

Get Outta My Face!

The following is a guest post by German dog trainer Clarissa v. Reinhardt of animal learn, translated from the German by Nadja Kutscher.
Many dog trainers now recommend citronella collars, which have become popular in numerous different styles. The collars, which allegedly send out a totally harmless little spritz of fragrance, have become even more popular ever since our TV dog nanny, Katja Geb-Mann, started to present them on German television every week, showing that no matter what the problem with a dog is, the simple use of the remote can solve it.

However, common sense tells us that something must be wrong when producers and users of the product claim that it's "nothing." Really, it's a bit strange that something the dog doesn't care about at all is supposed to change instinctive, genetically programmed behaviors, like hunting. People are asked to try putting the collar on themselves while the trainer triggers the device … wow, it really isn't bad at all! A little shhhh of damp, cold air—"Seriously," confirms the convinced dog owner, "it didn’t hurt a bit." But producers and trainers don't tell people (either because they don't know or because they fear losing profits) that sudden sounds that seem to come out of nowhere are scary to dogs.

Have you noticed how dogs turn around and around before finally lying down to go to sleep? This is an inherited behavior from earlier times when dogs always used to live outside. Before lying down in the grass, they turned around to see if it was safe, and if they heard a noise (like the shhhh of a snake), they could just jump aside to safety. Biologically, this makes sense—and we are now taking this noise that causes so much fear in them and producing it right under their chins! Plus, we even press the button a couple of times, which causes them not only fear but real panic—with no way to escape!

This fact alone is reason enough never to use this device on our beloved animal companions. However, there are even more problems with it.

Dogs never know when and why this is happening to them so they are always waiting for it to happen. If you want to know how that feels, just conduct the following experiment on yourself: Ask a member of your family or a friend to scare you to death—they could shout loudly or turn the stereo up suddenly when you're not expecting it, like, for example, when you're relaxing in your favorite armchair or playing cards with your friends—on a random schedule. The experiment should continue for at least a few hours or even days and you should get frightened several times without knowing when it's going to be. You will soon realize that the actual fright is not as bad as the endless minutes that you're dreading it. Even though you don't want it to happen, you almost hope it won't be too long before it does so that you can rest for a little while afterwards—which isn't really the case because it could happen again a few minutes later, and then again—whatever your friend decides. Doesn't sound too nice, does it?

Another big problem is the fact that dogs learn by associating things with other things. Let's say that Fido wears the collar and gets the shhhh because he hasn't reacted to several calls to come. You do this because you want to show him that he will be punished if he doesn't obey. However, there's a good chance that he might see a child, a runner, or another dog right at that very moment—whom he then connects to the punishment. Then you'll have a dog who is still not reacting to your calls but is now afraid of or even aggressive toward the person or animal he saw. People have no clue why their dog doesn't like kids anymore and barks at runners, which he didn't do before.

I work with many of these cases in my dog school. Very recently, I met a male Rhodesian ridgeback whose collar was activated whenever he was about to go hunting. However, his female companion dog was always present on those outings too. His human companions didn't come to see me because of the hunting but because the male dog seemed to avoid the female's company. Whenever she entered the room or wanted to snuggle with him (as she frequently did), he anxiously left the room and nobody knew why. What had they done to these dogs! What kind of feelings had humans provoked in them? The dog had become afraid of his friend whom he used to love so much. She, on the other hand, just couldn't understand why he avoided her now, when, in the past, they used to play and have fun together. And by the way, the trainer who recommended the collar now thought it was a good idea to give one of the dogs away because they had developed very differently and just didn't get along anymore. She said that the male's fears had to be attributed to the female's very dominant character. I could cry when I meet dogs like these—or get very angry.

And it gets worse because, among dogs, nothing generalizes as quickly as the fear of noises. Many dogs develop a fear of noises after having had to wear a citronella collar. They are afraid of things they didn't care about before, like the opening of a soda bottle, the noise of hot oil in a saucepan, banging sounds, and gunshots. The Rhodesian ridgeback I was talking about ran straight under my table when I opened my bottle of water. I didn't do this because I was thirsty—sadly enough, this has become part of my standard procedures when getting to know and analyzing a new dog, to see if people have used a citronella collar on him or her before.
His human companion was really surprised when I told her straight away after the bottle trick that I knew a citronella collar had been used on him before. She hadn't planned to tell me as she had heard that I don't approve of those things. She was really shocked when I told her about her dog's reaction to the bottle. And she was angry when I told her the reason why her dog was afraid of his companion and various noises now. She was mad at the trainer who didn't tell her about the side effects of the collar but instead constantly told her how simple and harmless it was. I have to ask myself whether my colleagues using this device don't know about the side effects or simply don't tell people because nobody would allow them to be used otherwise. I don't know which is worse.

Last, but not least, there are also technical problems with these collars. It has been reported that citronella collars can be triggered by other radio frequencies or even the remote control of another citronella collar close by. That means that a dog who is just standing there, playing or doing something else, can get the punishment. Of course, this causes the dog to expect it even more often and greatly increases the likelihood of a mistaken association.

Additionally, these collars don't always work properly and can fail or be delayed by damp air (fog or rain). Plus, they don't show you in advance when the batteries will run out, so you could be pressing the button without anything happening—which could have the effect of praising Rover for negative behavior (if he ever understood the punishment in the first place). The dog then learns that he just has to do something over and over again in order to succeed (i.e., not get punished by the collar).

So there's really no doubt: Citronella collars are not harmless at all—they are, in fact, dangerous. Some dogs are so traumatized by them that they develop "learned helplessness," which causes them to hardly do anything because of the constant fear of punishment that seems to come out of nowhere. Rehabilitating these animals—and helping their desperate human companions—often requires long-term appropriate training in order to lead them out of their helplessness and free them of their fears.
Citronella collars are supposed to be a quick solution for all real and imagined "problems." But it's just not that simple. Dogs are sensitive and intelligent beings who can't be manipulated and whose ways of learning are very different from ours. I urge people to become informed and to research all methods recommended by trainers before trying them on their dogs. When in doubt, the best way to decide is by applying the Golden Rule: Do unto others as you would have them do unto you.

© Clarissa v. Reinhardt
animal learn

P.S.: Hiermit lade ich alle Hundefreunde ein, bei der Verbreitung dieses Textes zu helfen. Ich erlaube als Autorin ausdrücklich, ihn (vollständig und unverändert und unter Nennung der Quelle) auf anderen Homepages zu veröffentlichen, auszudrucken und zu verteilen oder auf ihn hinzuweisen. Je mehr Menschen um die Tücken und Gefahren des Sprühhalsbandes wissen, je mehr Hunden bleibt dessen Anwendung – hoffentlich – erspart. Ein herzliches DANKE an jeden, der diesen Text weiter gibt.


Sprühhalsbänder

Köpfchen statt Knöpfchen...

...das gilt auch für die viel gepriesenen Sprühhalsbänder, die in verschiedenen Ausführungen den Markt erobert haben. Spätestens seit uns Hundenanny Katja Geb-Mann allwöchentlich im deutschen Fernsehen vorführt, wie jeder Hund, ganz gleich welches Problem er seinen Haltern vermeintlich oder tatsächlich bereitet, mit Einsatz einer Fernbedienung in das Verhalten gepresst werden kann, das Herrchen oder Frauchen beliebt, finden die Halsbänder, die einen angeblich völlig harmlosen Spraystoß von sich geben, steigenden Absatz.

Doch schon der gesunde Menschenverstand lässt einen aufhorchen, wenn Hersteller und Anwender behaupten, dass der jederzeit auszulösende Sprühstoß für den Hund „gar nicht schlimm“ sei. Da fragt man sich doch selbst nach nur kurzem Nachdenken, wie es denn möglich sein soll, instinktive, genetisch fixierte Verhaltensweisen wie zum Beispiel das Jagdverhalten durch etwas zu unterdrücken, das dem Hund gar nichts ausmacht?! Dem Hundehalter wird generös angeboten, das Gerät doch selbst mal in die Hand zu nehmen oder um den Hals zu legen, während der Trainer den Auslöser betätigt... und tatsächlich, so schlimm war das doch gar nicht. Ein kurzes „Zischhhh“ mit etwas feucht-kalter Luft. „Ja“, bestätigt der überzeugte Hundehalter, „das war gar nicht schlimm.“ Was Hersteller und Trainer jedoch geflissentlich verschweigen (aus Unwissenheit oder in betrügerischer Absicht?!), ist die Tatsache, dass plötzlich auftretende, nicht eindeutig zuzuordnende Zischlaute beim Hund als Angst auslösende, sogar lebensbedrohliche Laute abgespeichert sind, bei denen sofort die Flucht ergriffen werden muss. Jeder kennt den Anblick eines Hundes, der sich selbst im Körbchen `zig mal um die eigene Achse dreht, bevor er sich schließlich gemütlich niederlegt. Es handelt sich bei dieser Verhaltensweise um ein Erbe aus den Zeiten, in denen der Hund noch weitgehend draußen in Freiheit lebte. Bevor er sich hinlegte, drehte er sich mehrfach im Gras oder Laub, um die ausgesuchte Liegestelle als ungefährlich abzusichern. Sollte beim Drehen ein Zischlaut (zum Beispiel von einer Schlange) zu hören sein, würde er sich durch einen Sprung zur Seite in Sicherheit bringen. Biologisch sinnvoll... und diesen genetisch fixierten, Angst auslösenden Zischlaut bringen wir Menschen nun in den unmittelbaren Kopfbereich des Hundes! Und drücken vielleicht gleich mehrfach das Auslöseknöpfchen, worauf der Hund ganz leicht nicht nur in Angst, sondern sogar in Panik versetzt werden kann – ohne die Möglichkeit, sich durch die Flucht zur retten!

Eigentlich ist dieser Umstand allein schon Grund genug, niemals zu erlauben, dass einem uns anvertrauten Lebewesen ein solches Gerät angetan (im wahrsten Sinne des Wortes!) wird. Es gibt aber noch mehr Probleme:

Der Hund weiß nie, wann und vor allem warum der Sprühstop ausgelöst wird, befindet sich also in ständiger Erwartungsunsicherheit. Wer wissen möchte, wie sich das anfühlt, dem empfehle ich folgendes Eigenexperiment, das nicht in Anwesenheit eines Hundes durchgeführt werden sollte, damit dieser nicht unnötig verunsichert wird: Bitten Sie ein Familienmitglied oder einen Freund, Sie wirklich stark zu erschrecken, zum Beispiel durch einen lauten Schrei oder dadurch, dass er plötzlich die Stereoanlage zu voller Lautstärke aufdreht oder zwei Töpfe aufeinander schlägt, wenn Sie gerade überhaupt nicht damit rechnen, sich zum Beispiel entspannt im Sessel zurücklehnen oder gerade mit Freunden Karten spielen. Das Experiment sollte mindestens mehrere Stunden, am besten ein oder zwei Tage dauern und der Schreckreiz sollte in dieser Zeit mehrfach ausgelöst werden – ohne dass Sie wissen, wann dies sein wird. Sie werden merken, dass der eigentliche Reiz, wenn er dann endlich auftritt, bei weitem nicht so schlimm zu ertragen ist, wie die zermürbende Warterei auf ihn. Obwohl man ihn fürchtet, wünscht man ihn schon beinahe herbei in der Hoffnung, dann wieder eine Weile Ruhe zu haben, was aber nicht so ist, da er kurz nach dem Auftreten ein zweites oder drittes Mal ausgelöst wird und dann wieder stundenlang gar nicht, ganz wie es Ihrem Helfer beliebt. Keine angenehme Vorstellung, nicht wahr?!

Aber es gibt noch weitere Probleme. Gleich mehrere ergeben sich aus der Tatsache, dass Hunde über gedankliche Verknüpfung lernen. Trägt der Hund das Halsband und erhält den Sprühstoß, wenn er zum Beispiel auf mehrfachen Zuruf nicht kommt, so möchte der Mensch ihm damit zeigen, dass er dafür mit Schreckreiz bestraft wird, dass er ungehorsam ist. Es kann aber gut sein, dass er in genau diesem Moment zu einem kleinen Kind, einem Jogger oder einem anderen Hund schaut – und den Strafreiz damit verbindet. Das Ergebnis ist dann ein Hund, der noch immer nicht besser auf Abruf reagiert, dafür aber Ängste, evtl. sogar durch die Angst ausgelöste Aggressionen, gegen das entwickelt, was er gerade sah. Die Hundehalter sind dann ratlos, weil ihr Hund „plötzlich“ kleine Kinder meidet oder Jogger anknurrt, mit denen er doch bisher bestens auskam. Viele solcher Beispiele finden sich in meiner Hundeschule ein, erst kürzlich ein Rhodesian Ridgeback Rüde, dessen Sprühhalsband immer ausgelöst wurde, wenn er zum Wildern durchbrennen wollte. Bei diesen Spaziergängen war allerdings auch immer seine Gefährtin, der Zweithund der Familie, anwesend. Die Halter kamen nun nicht wegen des unerwünschten Jagdverhaltens zu mir in die Hundeschule, mit dem sie sich inzwischen abgefunden hatten, sondern weil der Rüde seit Wochen die Nähe der Hündin mied. Immer wenn diese den Raum betrat oder sich, so wie früher, zu ihm kuscheln wollte, verließ er mit ängstlichem Gesichtsausdruck das Zimmer und das konnte man sich nicht erklären... Was hatte man diesen beiden Hunden angetan! Welche Gefühle wurden in den Tieren ausgelöst?! Der Rüde hatte nun Angst vor seiner Gefährtin, die er früher heiß und innig liebte, während diese nicht verstehen konnte, weshalb er, der vorher immer leidenschaftlich mit ihr spielte und tobte, sie jetzt mied. Die gleiche Trainerin, die den Einsatz des Sprühhalsbandes empfohlen hatte, empfahl jetzt übrigens, einen der Hunde abzugeben, weil die Tiere sich unterschiedlich entwickelt hätten und einfach nicht mehr gut zueinander passen würden. Die Ängste des Rüden erklärte sie über die angeblich dominante Ausstrahlung der Hündin. Man könnte weinen, wenn man Hunden mit einem solchen Schicksal gegenüber steht – oder es packt einen einfach nur die Wut.

Die Probleme gehen noch weiter, denn nichts generalisiert sich bei Hunden so schnell, wie Geräuschangst. Nicht nur dieser Rüde, sondern auch zahlreiche andere Hunde entwickeln nach Einsatz des Sprühhalsbandes Ängste vor allen möglichen Geräuschen. Das Öffnen einer kohlesäurehaltigen Getränkeflasche, das Zischen von heißem Fett in der Pfanne, Knall- und Schussgeräusche, die dem Hund vorher egal waren, versetzen ihn jetzt in Angst und Schrecken. Der oben erwähnte Ridgeback Rüde zum Beispiel verzog sich mit eingezogener Rute unter den Tisch des Besprechungsraums, als ich eine Wasserflasche öffnete. Dies tat ich nicht, weil ich Durst hatte – trauriger Weise gehört es inzwischen schon fast zum Standardprogramm beim ersten Kennenlernen und Analysieren eines mir vorgestellten Hundes auszutesten, ob er schon mit Sprühhalsband gearbeitet wurde und welche Wunden dies an seiner Seele hinterlassen hat. Die Halterin war auch sehr erstaunt, als ich ihr nach dem „Flaschentest“ auf den Kopf zusagte, dass an ihrem Hund sicher schon mit Sprühhalsband gearbeitet worden war. Das wollte sie mir eigentlich gar nicht erzählen, weil sie schon gehört hatte, dass ich gegen den Einsatz dieser Geräte bin. Nachdem ich sie auf die Reaktion ihres Hundes hingewiesen hatte, war sie sehr betroffen. Und wütend, nachdem ich ihr erklärte, weshalb ihr Rüde jetzt Angst vor der Hündin und vor allen möglichen Geräuschen hatte. Wütend auf die Trainerin, die sie auf diese „unerwünschten Nebenwirkungen“ nicht aufmerksam gemacht, sondern immer erklärt hatte, wie harmlos der Einsatz des Gerätes sei. Für mich stellt sich die Frage, ob Kollegen, die es einsetzen, um diese Nebenwirkungen nicht wissen, oder ob sie diese bewusst verschweigen, weil kaum jemand bereit wäre, den Einsatz zu erlauben, wenn sie bekannt wären. Und ich stelle mir die Frage, was von beiden eigentlich schlimmer ist...

Last not least gibt es Probleme mit der Technik. Es soll schon vorgekommen sein, dass das Gerät durch andere Funkfrequenzen oder sogar die Fernbedienung eines in der Nähe befindlichen Halsbandes an einem anderen Hund ausgelöst wurde. Der Strafreiz wird dann also einem Hund verabreicht, der einfach nur herumsteht oder gerade spielt oder sonst etwas tut. Das steigert die Erwartungsunsicherheit natürlich noch mehr und erhöht die Trefferquote auf Fehlverknüpfungen immens. Zusätzlich löst es nicht immer zuverlässig aus, kann zum Beispiel durch Wetterlagen mit feuchter Luft (Nebel, Regen) verzögert oder gar nicht reagieren. Schließlich zeigt es auch nicht an, wann die Batterie leer ist, wodurch es passieren kann, dass der Auslöser gedrückt wird und nichts geschieht. Dann käme man durch das Ausbleiben des Strafreizes (wenn der Hund denn überhaupt verstanden hätte, wofür er eigentlich bestraft werden soll) in den Bereich der variablen Bestätigung, was das unerwünschte Verhalten sogar noch verstärkt. Der Hund würde nämlich lernen, dass er das Verhalten nur immer wieder zeigen muss, bis er schließlich wieder zum Erfolg (in diesem Fall das Ausbleiben des Strafreizes und die erfolgreiche Durchführung des Verhaltens) kommt.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will: Sprühhalsbänder sind ganz und gar nicht harmlos, im Gegenteil sogar sehr gefährlich. Manche Hunde werden durch sie so verunsichert, dass sie in die so genannte erlernte Hilflosigkeit fallen, was zur Folge hat, dass sie kaum noch Aktionen zeigen oder Handlungen anbieten, weil sie in ständiger Angst vor dem für sie unkalkulierbaren Strafreiz leben. Um diesen Tieren – und ihren verzweifelten Haltern – zu helfen, braucht es ein meist lang angelegtes, gut durchdachtes Training, das den Hund aus dieser erlernten Hilflosigkeit und seinen vielfältigen Ängsten wieder herausholt.

Sprühhalsbänder gaukeln dem Hundehalter vor, mal eben schnell per Fernbedienung eine Lösung für vermeintliche oder tatsächlich entstandene Probleme zu haben. Aber so einfach ist das nicht. Hunde sind uns anvertraute, fühlende und denkende Lebewesen, die nicht beliebig manipulierbar sind und deren Lernverhalten sich von dem unseren ganz erheblich unterscheidet. Ich kann deshalb nur dringend empfehlen, jeden Ausrüstungsgegenstand und jede Methode, der/ die durch Hersteller oder Trainer empfohlen wird, vor Anwendung am Hund genau zu prüfen, sich gut zu informieren und im Zweifelsfall nach dem guten alten Motto zu entscheiden, das auch für unsere Hunde gelten sollte: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

© Clarissa v. Reinhardt
animal learn

P.S.: Hiermit lade ich alle Hundefreunde ein, bei der Verbreitung dieses Textes zu helfen. Ich erlaube als Autorin ausdrücklich, ihn (vollständig und unverändert und unter Nennung der Quelle) auf anderen Homepages zu veröffentlichen, auszudrucken und zu verteilen oder auf ihn hinzuweisen. Je mehr Menschen um die Tücken und Gefahren des Sprühhalsbandes wissen, je mehr Hunden bleibt dessen Anwendung – hoffentlich – erspart. Ein herzliches DANKE an jeden, der diesen Text weiter gibt.


S T U B E N R E I N H E I T

Stubenreinheit ist nicht angeboren. Bedenken Sie, dass Sie ein "Baby" ins Haus geholt haben, das noch nicht trocken ist.

Tragen Sie den Welpen nach dem Schlafen, Fressen, Spielen, längeren Autofahrten etc. nach draußen an einen ruhigen Ort, möglichst auf eine Wiese. Der Untergrund sollte weich sein. Bleiben Sie bei ihm und loben Sie ihn mit freundlicher Stimme, nachdem er sein "Geschäft" erledigt hat. Loben Sie ihn nicht während er sein "Geschäft" verrichtet, sonst kann es sein, dass er es unterbricht, weil er von Ihnen abgelenkt wird.

Unterlassen Sie Strafen jeder Art. Nackenschütteln, mit der Nase in den Urin oder Kot stupsen oder ähnliche drastische und obendrein falsche Sanktionen sind unsinnig und werden vom Welpen nicht verstanden! Dadurch lernt der Welpe nicht, stubenrein zu werden - sondern nur, Angst vor Ihnen zu haben.

Beobachten Sie Ihren Hund/ Welpen! Wenn er unruhig wird oder sich im Kreis dreht, führen Sie ihn nach draußen.

Ein Welpe muss anfangs auch nachts mal raus. Stellen Sie sein Körbchen direkt neben Ihr Bett, um erste Anzeichen von Unruhe bemerken zu können.

Nachts oder in Ihrer Abwesenheit sollten Sie den Welpen nicht in eine Hundebox sperren. Der Hund gerät darin in Not und Stress, weil er sich nicht in seinem "Nest" versäubern möchte.

Regeln von früher sind überholt. Strafen Sie den Hund auch dann nicht, wenn Sie ihn auf "frischer Tat" ertappen. Er könnte die Strafe mit Ihnen statt mit dem eigentlichen Ereignis verknüpfen. Dann wird er sich nur noch heimlich, nicht mehr in Ihrer Anwesenheit lösen.

Ein kurzes ruhiges "Nein" reicht, um die unerwünschte Handlung in dem Moment zu unterbrechen, in dem er sich gerade im Wohnungsbereich lösen will. Heben Sie ihn hoch und bringen Sie ihn an einen geeigneten Ort, an dem er sich in Ruhe versäubern kann. Achten Sie auch genau darauf, ob Ihr Hund Anzeichen dafür zeigt, dass er raus möchte. Steht er vor der Tür? Schaut er öfter zur Ausgangs- oder Terrassentür? Ist er unruhig? Fiept er? Dies alles können seine Versuche sein, sich Ihnen mitzuteilen, dass er mal "muss".

Ignorieren Sie "kleine und große Missgeschicke", die in Ihrer Abwesenheit passiert sind und beseitigen Sie sie kommentarlos! Nichts sagen, nicht genervt schauen, nicht strafen, nicht ärgern!

Nie Essigreiniger zum Putzen betroffener Stellen verwenden, der Essiggeruch regt den Hund zum Urinieren an.

Hundebücher empfehlen manchmal den Einsatz von Zeitungspapier, auf das der Hund im Haus pieseln oder koten soll. Dann soll er wieder Schritt für Schritt davon entwöhnt werden, indem die Zeitung immer kleiner gefaltet wird und schließlich ganz verschwindet. Warum so umständlich, wenn es auch einfach geht??? Ausserdem besteht die Gefahr einer Fehlverknüpfung - der Hund lernt, sich im Wohnungsbereich (!) auf Zeitungspapier zu lösen, nicht aber auf anderen Untergründen wie zum Beispiel einer Wiese und vor allem draussen, wo er sich ja eigentlich lösen sollte.

Ein Welpe braucht Zeit, um zu verstehen, was von ihm verlangt wird. Ausserdem muss er, wie ein kleines Menschenkind auch, seinen Schließmuskel erst trainieren, bevor er ihn kontrollieren kann. In der Regel dauert die Erziehung zur Stubenreinheit Tage bis Wochen, das ist von Hund zu Hund unterschiedlich.

In der Literatur empfohlene Kommandowörter zum Urinieren oder Koten sind unsinnig und gefährlich. Funktioniert die Methode und ist der Hund gehorsam, hält er so lange ein, bis Sie das erlösende Wort sprechen. Ein so kontrollierendes Verhalten gegenüber einem uns anvertrauten Lebewesen ist moralisch fragwürdig und kann, gerade beim Welpen oder älteren Hund, enormen Stress auslösen und gesundheitsgefährdend werden. Der Hund soll sein Geschäft nicht auf Kommando verrichten, sondern dann, wenn er das Bedürfnis hat!

Tage und Nächte mit Geduld und Lob zahlen sich aus. Wichtige Grundregel: Verhaltensweisen werden durch Belohnung verstärkt! Loben Sie Ihren kleinen Hund also, wenn er "es" an der richtigen Stelle gemacht hat. Sollte sich trotz allem nicht der gewünschte Erfolg einstellen, bedenken Sie, dass auch eine Erkrankung wie zum Beispiel eine Blasenentzündung vorliegen könnte. Fragen Sie sicherheitshalber Ihren Tierarzt!


Wie erkennt man einen guten Hundetrainer???

Diese Frage ist uns schon oft gestellt worden, denn das Angebot ist unüberschaubar groß geworden und staatlich geregelte Ausbildungskriterien gibt es - leider- nach wie vor nicht. Gern empfehlen wir Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet, die wir persönlich kennen und deren Arbeitsweise uns überzeugt hat. Einige sind unter der Rubrik "links" aufgeführt, andere können Sie direkt bei uns per email erfragen.

Wenn Sie sich selbst auf die Suche machen oder ein konkretes Angebot von einer Hundeschule in Ihrer Nähe bekommen haben, kann Ihnen diese kleine Checkliste bei der Auswahl eines geeigneten Trainers für Sie und Ihren Hund helfen.

Der Trainer/ die Trainerin....

... sollte über eine fundierte Ausbildung im Umgang mit Hunden und Menschen verfügen und jederzeit in der Lage sein, diese auch nachzuweisen. Schwammige Versicherungen wie "...ich hab' da mal einen Kurs gemacht..." oder "...ich weiß schon Bescheid..." reichen nicht aus!

... sollte selbstverständlich ein breit gefächertes (!!!) Fachwissen über Hunde haben und in der Lage sein, mit den unterschiedlichsten Rassen, Charakteren und Problemstellungen umzugehen.

... sollte offen sagen, wenn er/ sie noch Berufsanfänger/ in ist und Ihnen einen versierten Kollegen empfehlen, wenn er/ sie sich mit einem Training überfordert fühlt. Im Gegenzug wäre es schön, wenn Sie diese Ehrlichkeit anerkennen und nicht als Schwäche auslegen... jeder hat mal in seinem Beruf angefangen!

... muß in der Lage sein zu erkennen, wann Hund und/ oder Mensch eine Pause brauchen. Sehr häufig werden beide hoffnungslos überfordert und gehen anschließend verunsichert und frustriert nach Hause.

... sollte eine stationäre Ausbildung ohne Hundebesitzer ablehnen. Die angeblich sorgfältige Einweisung von 1-5 Tagen nach dem Training kann dem Hundebesitzer niemals vermitteln, in welchen Einzelschritten der Hund die Trainingsziele erlernt hat und Sie als Hundebesitzer haben keinerlei Kontrolle darüber, WIE Ihr Hund erzogen wurde. Hinzu kommt als großer Nachteil für Sie: Ihr Hund lernt, die Übungen mit seinem Trainer auszuführen, statt mit Ihnen.

... sollte immer auskunftsfreudig sein und sich bemühen, seinem Kunden so viel Fachwissen wie nur möglich zu vermitteln. Übungen müssen im Aufbau genau erklärt, Ihre Fragen müssen beantwortet werden.

... sollte in der Lage sein, sich ganz individuell mit den einzelnen Hundebesitzern auseinandersetzen zu können und auch zu wollen! Leider vermissen viele Hundebesitzer im Training Geduld und Verständnis für ihre ganz persönlichen Probleme. Manchmal werden sie sogar unverschämter weise als "unfähig, einen Hund zu führen" oder sogar als "zu doof" bezeichnet.

... sollte selbstverständlich nach neuesten verhaltenskundlichen Erkenntnissen und ohne Einsatz von tierschutzrelevantem Zubehör wie Reizstromgeräten, Anti-Kläff-Halsbändern usw. arbeiten. Alle Methoden, die dem Hund erhebliche Angst oder Schmerzen zufügen, seine Persönlichkeit zerstören oder ihn in seiner Würde verletzen sind indiskutabel. Der auch heute noch viel geforderte "Kadavergehorsam" sagt viel über die Psyche des Trainers und nichts über die des Hundes aus.

... sollte frei von Profilneurosen sein und nicht ständig damit prahlen, wie gut er/ sie ist und wie schlecht all die anderen sind. Kollegialität und Fairness sagen viel über die Charaktereigenschaften eines Menschen aus!

Ständige Fortbildung und das regelmäßige Überprüfen der eigenen Trainingsmethoden sollten eine Selbstverständlichkeit sein.

Beobachten Sie Ihren Hund: Ihr Hund sollte nicht nur gern, sondern möglichst mit Begeisterung in "seine" Schule gehen! Eine Hundeschule, die der Hund auch nach einigen Trainingsstunden nur unsicher und/ oder widerstrebend besucht, sollten Sie verlassen. Die Hunde selbst sind oft das sicherste und auch verräterischste Barometer für die Qualifikation des Trainers und die Qualität der Schule!


Dominanz als Erklärung für Hundeverhalten ist ein „alter Hut"

Pressemitteilung vom 21. Mai 2009
Mit freundlicher Genehmigung:  Joanne Fryer
University of Bristol, Senate House, Tyndall Ave., Bristol BS8 1TH, UK

Übersetzung: Monika Gutmann, www.modern-dogs.de

Artikel im „Journal of Veterinary Behavior“: Clinical Applications and Behavior

Eine aktuelle Studie belegt, wie das Verhalten von Hunden über Generationen missverstanden wurde: tatsächlich ist der Gebrauch von falschen Ideen bei Hundeverhalten und –training eher dazu angetan, unangemessenes Verhalten hervorzurufen, statt es zu therapieren. Die Ergebnisse stellen viele der dominanzbezogenen Interpretationen von Verhalten und Trainingstechniken, die von Fernseh-Hundetrainern empfohlen werden, in Frage.

Entgegen dem verbreiteten Glauben, versuchen aggressive Hunde NICHT ihre Dominanz / Herrschaft  über ihre Artgenossen oder ihr menschliches „Rudel“ zu erlangen. Dies haben Forschungen der Abteilung „Clinical Veterinary Science“ der „University of Bristol“ ergeben.
Im „Dogs Trust“ Tierheim wurden sechs Monate lang Hunde in ihrem freien Umgang mit Artgenossen beobachtet. Zusätzlich wurden Daten von frei lebenden Hunde anaylisiert, bevor daraus geschlossen werden konnte, dass Beziehungen zwischen Hunden durch Erfahrung erlernt und nicht durch den Anspruch auf Dominanz motiviert wurden.

Die Veröffentlichung „Dominance in domestic dogs – useful construct or bad habit?“ (Dominanz bei Haushunden – nützliches Modell oder schlechte Angewohnheit?) deckt auf, dass Hunde nicht davon motiviert sind, ihren Platz in der Rangordnung ihres Rudels zu behaupten, wie viele bekannte Hundetrainer das predigen.

Trainingstechniken, die als „Rangreduktion“ bekannt sind, sind nicht hilfreich, so die Wissenschaftler, sie variieren von wirkungsloser Behandlung bis gefährlich und verschlimmern das Verhalten noch mehr.
Dem Hundehalter zu erklären, dass es wichtig ist, vor dem Hund zu essen oder durch Türen zu gehen, haben keinen Einfluss auf die allgemeine Empfindung der Hund-Halter Beziehung. Besser ist es, dem Hund in den speziellen Situationen das richtige Verhalten beizubringen. Schlimmer noch, solche Techniken, wie den Hund auf den Rücken zu werfen und festzuhalten, an den Lefzen zu ziehen oder Gegenstände nach dem Hund zu werfen, machen den Hund ängstlich – oft gegenüber dem Besitzer – und führt unter Umständen zu einer Eskalation der Aggression.

Dr. Rachel Casey, Leiterin der Abteilung  „Companion Animal Behaviour and Welfare“ der Bristol University, sagt: „ Die pauschale Annahme, dass jeder Hund durch ein inneres Verlangen zur Kontrolle von Menschen oder Hunden getrieben wird, ist, offen gesagt, lächerlich. Dies unterschätzt in großem Maße die komplexen kommunikativen Fähigkeiten und Lernbereitschaft von Hunden. Diese Annahme führt ebenso zu aversiven Trainingstechniken, was den tierschutzrelevant ist und aktuelle Verhaltensprobleme auslöst.“

„In unserer tierärztlichen Sprechstunde sehen wir häufig Hunde, die gelernt haben, Aggression zu zeigen, um so voraussichtliche Bestrafung zu vermeiden. Die Hundehalter sind oft schockiert, wenn wir ihnen erklären, dass sich ihre Hunde vor ihnen fürchten und sie aggressiv sind, wegen der aversiven Trainingstechniken. Das ist allerdings nicht ihr Fehler, sondern weil sie z. B. von unqualifizierten „Hundepsychologen“ beraten und angeleitet wurden, diese Techniken anzuwenden.“

Im größten Tierheimverbund „Dogs Trust“, sehen die Mitarbeiter die Ergebnisse dieser „fehlgeleiteten“ Trainingstechniken jeden Tag. Der tierärztliche Direktor, Chris Laurence MBE, erklärt: „Wir sehen sofort, wenn ein Hund zu uns kommt, ob er mit einem, vom geliebten Fernseh-Hundetrainer empfohlenen „Rangreduktionsprogramm“ trainiert wurde. Die Hunde können sehr ängstlich sein, was sich dann in Aggression gegenüber Menschen äußert.
Traurigerweise sind die Methoden im Training, um dem Hund zu zeigen, dass der Mensch der Rudelführer ist, sehr kontraproduktiv. Der Hundehalter wird deshalb keinen besser erzogenen Hund bekommen, aber dafür einen ängstlichen Hund, der sein natürliches Verhalten unterdrückt: Er macht entweder gar nichts mehr oder reagiert so aggressiv, dass es für seine Umwelt gefährlich ist.“

http://www.bristol.ac.uk/news/2009/6361.html

Quelle:
Veröffentlichung: Dominance in domestic dogs – useful construct or bad habit? Von John W. S. Bradshaw, Emily J. Blackwell, Rachel A. Casey. Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and  Research, Volume 4, Issue 3, Seiten 109 – 144 (May-June 2009). Die Wissenschaftler bedanken sich bei Claire Cooke und Nicola Robertson für die Genehmigung, ihre Studie über  frei interagierenden Hunde zu beschreiben, Dogs Trust für den Zugang zu einer Hundegruppe. Dankg für die Unterstützung für wissenschaftliche Berichte von Waltham Centre for Pet Nutrition, RSPCA und Cats Protection.


David Mech - über Alphastatus und Dominanz

David Mech - über Alphastatus und Dominanz

Liebe Hundefreunde,

diesen Artikel von David Mech möchten wir Ihnen/ Euch nicht vorenthalten. Unser besonderer Dank gilt Mag. Heidrun Krisa aus Österreich, die uns diese Übersetzung zur Verfügung gestellt hat.

Mech stellt hierin nochmals eindrücklich dar, weshalb die Beobachtungen an Gehegewölfen, welche in der Regel als Grundlage für Wolfsverhalten im Allgemeinen genommen werden, eben nicht übertragbar sind auf das Zusammenleben von frei lebenden Wölfen und somit auch nicht als Modell für das Zusammenleben unserer Haushunde verwendet werden können.

Vor allem die Frage der sozialen Dominanz bedarf seiner Meinung nach einer differenzierten Betrachtung, als es bisher der Fall war.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

L. David Mech [1] :

 Alpha-Status, Dominanz und Arbeitsteilung in Wolfsrudeln (Canis lupus), 1999

aus: Canadian Journal of Zoology 77: 1196-1203.

Quelle: Jamestown, ND: Northern Prairie Wildlife Research Center Homepage

http://www.npwrc.usgs.gov/resource/2000/alstat/alstat.htm (Version 15/05/2000)

Übersetzung: Mag. Heidrun Krisa, Zoologin

Zusammenfassung

Das vorherrschende Bild von einem Wolfsrudel (Canis lupus) ist das von einer Gruppe von Individuen, die ständig um Dominanz konkurrieren aber dabei vom sog. „Alpha“-Paar, dem Alpha-Männchen und dem Alpha-Weibchen , unter Kontrolle gehalten werden. Die meisten Untersuchungen über das soziale Kräftespiel bei Wolfsrudeln wurden jedoch an unnatürlichen Zusammenstellungen gefangener Wölfe durchgeführt. In diesem Artikel beschreibe ich die soziale Ordnung eines Wolfsrudels, wie sie in der Natur vorkommt. Ich diskutiere das Alpha-Konzept, soziale Dominanz und Unterwerfung und lege Daten über genaue Beziehungen zwischen Mitgliedern freilebender Rudel vor, die auf einer Literaturübersicht sowie 13 Beobachtungssommern an Wölfen auf Ellesmere Island, Northwest Territories, Kanada, basieren. Ich komme zu dem Schluss, dass das typische Wolfsrudel eine Familie ist, in der die erwachsenen Elterntiere die Aktivitäten der Gruppe über ein System der Arbeitsteilung anführen. Dabei überwiegen beim Weibchen hauptsächlich Tätigkeiten wie die Betreuung und die Verteidigung der Welpen, während sich das Männchen vorrangig dem Jagen, der Futterversorgung und den damit verbundenen Wanderungen widmet.

Einleitung

Wolfsrudel (Canis lupus) wurden immer wieder als beispielhaft bei der Beschreibung von Verhaltensbeziehungen unter Mitgliedern sozialer Gruppen hingestellt. Das Thema der sozialen Dominanz und des Alpha-Status gewann beachtliche Berühmtheit (Schenkel 1947; Rabb et al. 1967; Fox 1971b; Zimen 1975, 1982). Das vorherrschende Bild von einem Wolfsrudel ist das von einer Gruppe von Individuen, die ständig um Dominanz konkurrieren aber dabei vom sog. „Alpha“-Paar, dem Alpha-Männchen und dem Alpha-Weibchen, unter Kontrolle gehalten werden (Murie 1944; Mech 1966, 1970; Haber 1977; Peterson 1977).

Die meisten Untersuchungen über das soziale Kräftespiel bei Wolfsrudeln wurden jedoch an Wölfen in Gefangenschaft durchgeführt. Diese in Gefangenschaft lebenden Rudel wurden üblicherweise durch eine Zusammenstellung von Wölfen verschiedener Herkunft gebildet und konnten sich nach Lust und Laune vermehren (Schenkel 1947; Rabb et al. 1967; Zimen 1975, 1982). Diese Haltung spiegelte offenbar die Ansicht wieder, dass in freier Wildbahn „die Rudelbildung mit Winterbeginn stattfindet“ (Schenkel 1947), woraus geschlossen wurde, dass es sich dabei um jährliche Zusammenschlüsse unabhängiger Wölfe handelte. (Schenkel zog immerhin die Möglichkeit in Betracht, dass es sich bei einem Rudel um eine Familie handeln konnte, wie schon Murie (1944) berichtet hatte, allerdings nur in einer Fußnote.)

Bei den in Gefangenschaft gehaltenen Rudeln formierten die einander fremden Wölfe Dominanzhierarchien mit Alpha-, Beta- und Omegatieren etc. Bei derartigen Ansammlungen sind diese Dominanzbezeichnungen wahrscheinlich auch zutreffend; die meisten Arten würden sich ähnlich verhalten, wenn sie in dieser Form in Gefangenschaft zusammengewürfelt werden.

In der Natur ist das Wolfsrudel aber keine derartige Ansammlung. Vielmehr handelt es sich für gewöhnlich um eine Familie (Murie 1944; Young and Goldman 1944; Mech 1979, 1988; Clark 1971; Haber 1977), die sich aus einem Elternpaar und dessen Jungen der letzten ein bis drei Jahre zusammensetzt. Manchmal besteht ein Rudel auch aus zwei oder drei solcher Familien (Murie 1944; Haber 1977; Mech et al. 1998).

Gelegentlich wird ein nicht verwandter Wolf von einem Rudel adoptiert (Van Ballenberghe 1983; Lehman et al. 1992; Mech et al. 1998), es wird ein Verwandter von einem der Elterntiere aufgenommen (Mech and Nelson 1990), oder ein totes Elterntier wird von einem Wolf außerhalb des Rudels ersetzt (Rothman and Mech 1979; Fritts and Mech 1981), wobei dann unter Umständen ein Junges dieses Neulings sein Elterntier ersetzt und sich mit seinem/seiner „Stiefvater/Stiefmutter“ verpaart (Fritts and Mech 1981; Mech and Hertel 1983).

Allerdings sind diese Varianten Ausnahmen, und auch in diesen Situationen besteht das Rudel aus einem Elternpaar und dessen Jungen (Mech 1970; Rothman and Mech 1979; Fritts and Mech 1981; Mech and Hertel 1983; Peterson et al. 1984). Das Rudel fungiert als Einheit über das ganze Jahr (Mech 1970, 1988,1995b) hindurch.

Wenn die Jungen heranwachsen, entfernen sie sich eventuell schon mit 9 Monaten vom Rudel (Fritts and Mech 1981; Messier 1985; Mech 1987; Fuller 1989; Gese and Mech 1991). Die meisten verlassen das Rudel im Alter von 1-2 Jahren, und nur einige wenige verbleiben über das 3. Lebensjahr hinaus beim Rudel (Mech et al. 1998). Demgemäß bilden die jungen Mitglieder einen zeitlich begrenzten Teil der meisten Rudel, und die einzigen dauerhaften Mitglieder sind die Elterntiere. Im Gegensatz dazu schließen Gefangenschaftsrudel oft Mitglieder ein, die über viele Jahre hinweg gezwungen werden zusammenzubleiben (Rabb et al. 1967; Zimen 1982; Fentress et al. 1987).

Der Versuch, Information über das Verhalten künstlich zusammengesetzter und nicht verwandter Gefangenschaftswölfe auf die Familienstrukturen natürlicher Rudel zu übertragen, führte zu beträchtlicher Verwirrung. Eine derartige Vorgehensweise ist analog zum Versuch zu sehen, Rückschlüsse auf menschliche Familienstrukturen durch die Beobachtung von Menschen in Flüchtlingslagern zu ziehen. Das Konzept des Alpha-Wolfes als „Oberwolf“, der eine Gruppe gleichaltriger Artgenossen beherrscht (Schenkel 1947; Rabb et al. 1967; Fox 1971a; Zimen 1975, 1982; Lockwood 1979; van Hooff et al. 1987) ist besonders irreführend.

Da Wölfe sehr lange verfolgt wurden, (Young and Goldman 1944), war es schwierig, sie in freier Wildbahn zu beobachten (Mech 1974), weshalb Information über die sozialen Wechselwirkungen bei freilebenden Wolfsrudeln nur langsam anwuchs. Es ist wenig über die Wechselwirkungen zwischen verpaarten Männchen und Weibchen unter natürlichen Bedingungen, über die Rolle jedes einzelnen im Rudel und über die Auswirkung von Dominanz auf diese Beziehungsmuster bekannt.

Ein paar Leute beobachteten das Sozialverhalten wilder Wölfe in der Nähe von Wurfhöhlen, Murie (1944) schrieb einen anekdotenhaften  Bericht darüber. Clark (1971) präsentierte in einer unveröffentlichten Dissertation nur eine quantifizierende Zusammenfassung der hierarchischen Rudelbeziehungen, und Haber (1977) beschrieb seine Interpretation über die soziale Hierarchie eines Rudels lieferte aber keinerlei unterstützende Beweise. Somit hat noch niemand die hierarchischen Beziehungen eines wilden Wolfsrudels quantifiziert.

Ich versuche in diesem Artikel, die soziale Ordnung natürlicher Wolfsrudel aufzuklären und unser Wissen über das soziale Kräftespiel in Wolfsrudeln durch die Diskussion des Alpha-Konzepts und sozialer Dominanz und durch die Präsentation von Information über die Dominanzbeziehungen bei Mitgliedern freilebender Rudel voranzutreiben.

Methoden

Diese Studie wurde während der Sommer 1986 bis 1998 auf Ellesmere Island, Northwest Territories, Kanada (80° N, 86° W) durchgeführt. Die Wölfe jagen dort Arktische Hasen (Lepus arcticus), Moschusochsen (Ovibos moschatus) und Peary Karibu (Rangifer tarandus pearyi) und leben weit genug entfernt von Ausbeutung und Verfolgung durch den Menschen, sodass sie gegenüber Beobachtern relativ wenig Scheu zeigen (Mech 1988, 1995a). 1986 gewöhnte ich dort ein Wolfsrudel an meine Gegenwart und führte diese Gewöhnung jeden Sommer fort. Das Rudel suchte jeden Sommer das gleiche Gebiet auf und nützte in etwa die gleichen Wurfhöhlen. Die Gewöhnung erlaubte mir und einem Assistenten, jeden Tag mit den Wölfen zu verbringen, sie individuell zu erkennen und sie regelmäßig aus einer Entfernung von nur 1 m zu beobachten (Mech 1988, 1995a;National Geographic Society 1988).

Wir notierten jedes Mal, wenn sich ein Wolf einem anderen mittels Körpersprache unterwarf. Für gewöhnlich war diese Ehrerbietung durch ein an das dominante Tier gerichtete „Schnauzen-lecken“ in Form der „aktiven Unterwerfungspose“ gekennzeichnet (Fig. 5 in Schenkel 1967), ähnlich wie von Darwin (1877) für Haushunde beschrieben. Dieses Verhalten wurde oft gezeigt, wenn ein Tier nach der Jagd zur Wurfhöhle zurückkehrte, und manchmal würgte das zurückgekehrte Individuum dem bettelten Wolf Futter hervor (Mech 1988; Mech et al. 1999). Ebenfalls festgehalten wurden Verhaltensweisen wie das „Über-die-Schnauze-Beißen“ (engl. „pinning“) oder die passive Unterwerfung (Schenkel 1967), bei der der dominante Wolf den anderen bedrohte, woraufhin dieser am Boden kroch, das „Darüberstehen“ (engl. „standing over“), bei dem ein Wolf über einem anderen stand, der meist gleichgültig am Boden lag und in ein paar Fällen auch die Genitalien des anderen beschnüffelte. Ich betrachtete das „Darüberstehen“ nicht als Dominanzgeste (Mech 2001). Das folgende Kapitel ist eine Zusammenfassung von Allgemeinwissen, das in den vorher angesprochenen Literaturstellen dokumentiert ist, ergänzt mit neuen quantifizierten Erkenntnissen.

Ergebnisse und Diskussion

unterteilt in

  • Alpha-Status
  • Dominanz und Unterwerfung bei Rudelmitgliedern
  • Dominanz zwischen dem verpaarten Männchen und Weibchen
  • Schlussfolgerungen

Alpha-Status

Die Bezeichnung „Alpha“ bedeutet in einer Art Hierarchie hochrangig, das heißt, ein Alpha-Wolf ist per definitionem der Wolf an der höchsten Rangposition. Da bei Gefangenschaftswölfen eine männliche und eine weibliche Hierarchie existiert, gibt es auch ein Alpha-Männchen und ein Alpha-Weibchen (Schenkel 1947). Die Art und Weise wie der Alpha-Status historisch gesehen wurde, wird in Studien belegt, in denen versucht wurde, schon in den Würfen von in Gefangenschaft geborenen Wolfswelpen zukünftige Alphatiere zu erkennen. Zum Beispiel wurde die Hypothese aufgestellt, dass sich „die emotionale Reaktivität des dominanten Wolfswelpen, dem möglichen Alphatier des Rudels, messbar von jener untergeordneter Individuen unterscheiden könnte“ und dass „es daher möglich wäre, die Eigenschaften des Temperamentes oder der emotionalen Reaktivität von möglichen Alphatieren bzw. Rudelführern und Rangniederen zu erkennen“ (Fox 1971b, S.299). Überdies „scheint es unter normalen Bedingungen unwahrscheinlich, dass schüchterne, niederrangige Wölfe Nachkommen zeugen“ (Fox 1971a, S.307). Diese Ansicht lässt durchblicken, dass der Rang angeboren ist oder zumindest früh geformt wird und dass einige Wölfe dazu bestimmt sind, das Rudel zu führen, und andere nicht.

Im Gegensatz zu dieser Ansicht vertrete ich die Meinung, dass alle jungen Wölfe mögliche Zuchttiere sind und dass sie, wenn sie Junge bekommen, automatisch zu Alphatieren werden (Mech 1970). Sogar bei Gefangenschaftsrudeln gewinnen oder verlieren Individuen den Alpha-Status (Zimen 1976), was zeigt, dass individuelle Wölfe keinen angeborenen, bleibenden Sozialstatus haben, auch wenn in Gefangenschaft aufwachsende Wolfswelpen physiologische und verhaltensbezogene Unterschiede verbunden mit der aktuellen sozialen Rangposition zeigen (Fox 1971b; Fox and Andrews 1973). Zweitens vermehren sich Wölfe in Gefangenschaft bereitwillig, und ich weiß von keinen in Gefangenschaft befindlichen Individuen, die sich nicht verpaarten, wenn sie außerhalb einer Gruppe die Möglichkeit dazu hatten, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn es angeborenerweise niederrangige Nicht-Zuchttiere gäbe.

Drittens wandern in freier Wildbahn die meisten Wölfe von ihrem Geburtsrudel ab und versuchen sich mit anderen abgewanderten Wölfen zu verpaaren, Welpen aufzuziehen und ihr eigenes Rudel zu gründen (Rothman and Mech 1979; Fritts and Mech 1981; Messier 1985; Mech 1987; Gese and Mech 1991; Mech et al. 1998). Ich kenne keine ständigen Außenseiter, die es nicht zur Verpaarung gebracht hätten, vorausgesetzt sie lebten lange genug.

Wölfe zeigen eine beträchtliche Variation bezüglich des Alters, der Entfernung, der Richtung und anderer Verhaltensweisen, die die Abwanderung betreffen (siehe Literaturverweise oben), und es ist denkbar, dass diese Verhaltensweisen mit den oben erwähnten Unterschieden im Wurf in Zusammenhang stehen (Fox 1971b; Fox and Andrews 1973). Aber wenn ein heranwachsendes Rudelmitglied nicht eine Position innehat, die ihm ermöglicht, mit einem Stief-Elternteil im eigenen Rudel Junge großzuziehen (Fritts and Mech 1981; Mech and Hertel 1983), wird es früher oder später abwandern und versuchen, sich woanders zu verpaaren.

Einen hochrangigen Wolf mit Alpha zu bezeichnen, betont seinen Rang in einer Dominanz-Hierarchie. Jedoch sind in natürlichen Wolfsrudeln das Alpha-Männchen und das Alpha-Weibchen ganz einfach die Zuchttiere, die Eltern des Rudels, und Dominanzstreitigkeiten mit anderen Wölfen sind selten, wenn sie überhaupt vorkommen. Während meiner ganzen Beobachtungstätigkeit in den 13 Sommern beim Ellesmere Island-Rudel sah ich keine.

Daher ist die Angewohnheit, einen Wolf als Alpha zu bezeichnen, in der Regel nicht angemessener als Menscheneltern oder Damhirsche Alphas zu nennen. Alle Eltern sind ihren Jungen gegenüber dominant, daher liefert „Alpha“ keine zusätzliche Information. Warum nennen wir das Alpha-Weibchen nicht weibliches Elterntier, Zuchtweibchen, Matriarch oder ganz einfach Muttertier? Eine derartige Bezeichnung betont nicht den Dominanzstatus des Tieres, eigentlich eine unbedeutende Information, sondern seine Rolle als Rudelgründer, eine sehr viel wichtigere Information.

Die einzige Verwendung für „Alpha“, die nach wie vor sinnvoll erscheint, beschränkt sich auf die relativ seltenen, großen Wolfsrudel mit mehreren gleichzeitigen Würfen. Obwohl die genetischen Verwandtschaftsbeziehungen der Mütter in solchen Rudeln bisher unbekannt sind, gehören der Gruppe der Mütter wahrscheinlich das ursprüngliche Muttertier und ein oder mehrere Töchter an, und zu den Vätern zählen wahrscheinlich das ursprüngliche Vatertier und nicht verwandte Zuwanderer (Mech et al. 1998). In solchen Fällen verhalten sich die älteren Zuchttiere wahrscheinlich dominant gegenüber den jüngeren und können daher eher als Alphatiere bezeichnet werden. Der Beweis für diese Behauptung wäre, wenn ein älteres, verpaartes Tier stetig die Futterverteilung oder die Rudelwanderungen dominieren würde.

Der Punkt dabei ist nicht so sehr die Terminologie an sich, sondern das, was die Terminologie fälschlicherweise impliziert: eine starre, auf Zwang basierende Dominanzhierarchie.

Bis zu welchem Grad diese Argumente auf andere Arten übertragbar sind, variiert zweifellos beträchtlich und liegt nicht im Rahmen dieses Artikels. Allerdings ist es denkbar, dass ähnliche Argumente auch für den Afrikanischen Wildhund (Lycaon pictus) gelten, der ökologisch dem Wolf sehr ähnlich ist (Mech 1975). Während einige Beobachter kein Rangordnungsverhalten bei dieser Art feststellten (Kuhme 1965; Estes and Goddard 1967), schreiben andere großzügig von „Alpha“-Tieren (Creel and Creel 1996).

Dominanz und Unterwerfung bei Rudelmitgliedern

Das Konzept, das Wesen und die Bedeutung der Dominanzhierarchie oder Hackordnung selbst (Schjelderup-Ebbe 1922) ist bei vielen Arten umstritten (Zusammenfassung in Wilson 1975). In ähnlicher Weise ist Dominanzverhalten bei einem freilebenden Wolfsrudel nicht als Hackordnung zu verstehen und scheint eine viel geringere Bedeutung zu haben, als die Ergebnisse von Studien an in Gefangenschaft gehaltenen Wölfen andeuteten (Schenkel 1947, 1967; Rabb et al. 1967; Zimen 1975, 1982; Lockwood 1979). Bei einem freilebenden Wolfsrudel zeigen die Dominanzregeln keine Ähnlichkeit mit den Regeln einer Hackordnung in einer Gruppe von ähnlichen Individuen, die um den Rangstatus konkurrieren.

Die einzig logische Rangdemonstration bei freilebenden Rudeln sind die Gesten des Tieres während sozialer Interaktionen. Dominante Wölfe nehmen die klassische, canidentypische Stehposition mit erhobenem oder zumindest waagrecht gehaltenem Schwanz ein, und untergeordnete oder unterwürfige Individuen machen sich kleiner und „ducken sich“ (Darwin 1877). Tatsächlich dürfte Unterwerfungsverhalten mindestens genauso wichtig wie Dominanzverhalten sein, da dadurch freundliche Beziehungen gefördert werden oder der soziale Abstand verringert wird.

Schenkel (1967), der die Bedeutung des Unterwerfungsverhaltens betonte, erkannte zwei Haupttypen: die aktive und die passive Form. Er glaubte, dass die aktive Unterwerfung vom Verhalten des Futterbettelns abgeleitet werden kann, und ich bin der Meinung, dass aktive Unterwerfung und das Futterbetteln nicht voneinander unterschieden werden können. Der bettelnde oder unterwürfige Wolf nähert sich dem anderen Wolf aufgeregt, mit dem Schwanz wedelnd, mit gesenkten Ohren und zu ihm „hinaufleckend“ (engl. „licking up“). Daraufhin würgt der andere Wolf Futter hervor oder auch nicht, jeweils abhängig von den jeweiligen Umständen (Mech et al. 1999). Bei der passiven Unterwerfung rollt sich der unterwürfige Wolf auf die Seite oder den Rücken, und der dominante Wolf beriecht seine Leistengegend oder die Genitalien (Schenkel 1967). Beim Ellesmere Island-Rudel war aktive Unterwerfung häufiger zu beobachten.

In diesem Rudel unterwarfen sich alle Mitglieder einschließlich des weiblichen Elterntieres dem männlichen Elterntier sowohl aktiv als auch passiv (Schenkel 1967). Die Einjährigen und zwei Jahre alten Wölfe sowie ein Weibchen in der post-reproduktiven Phase unterwarfen sich beiden Elterntieren. Daran änderte auch die unterschiedliche Zusammensetzung des Rudels nichts: ein Paar oder Elternpaar mit Welpen (Tabelle 1); ein Elternpaar mit Einjährigen (Tabelle 2); ein Elternpaar mit Einjährigen und Welpen (Tabelle 3); ein Elternpaar mit Welpen und zwei Jahre alten Helfern (Tabelle 4); ein Elternpaar mit Welpen und ein Weibchen in der post-reproduktiven Phase (Tabelle 5).

Tabelle 1. Dominanz-Interaktionen (i.e. Anzahl jener Situationen, in denen individuelle Wölfe andere dominierten oder sich unterwarfen) zwischen den Elterntieren des Ellesmere Island-Wolfsrudels während der Jahre ohne Helfer.

männl. Elterntier                             weibl. Elterntier                      Welpen vorhanden

9                                                          0                                                  ja

21                                                        0                                                  ja

4                                                          0                                                  nein

Anmerkung: die Interaktionen waren bis auf 3 Fälle (passiv) jeweils aktive Unterwerfung; nicht enthalten ist das „Darüberstehen“ sowie Interaktionen mit Futter (ausgenommen das „Futter-Betteln“)

Tabelle 2. Dominanz-Interaktionen (i.e. Anzahl jener Situationen, in denen individuelle Wölfe andere dominierten oder sich unterwarfen) im Jahr 1993 zwischen den Elterntieren (gleich wie in Tab.1) und den Einjährigen des Ellesmere Island-Wolfsrudels (keine Welpen im Rudel).

männl.
Elterntier
weibl.
Elterntier
weibl.
Einjähr. 1
männl.
Einjähr.
weibl.
Einjähr. 2
Gesamt
männl. Elterntier - 0 0 0 0 0
weibl. Elterntier 3 - 0 0 0 3
weibl. Einjährig. 1 3 2 - 0 4 9
männl. Einjähr. 4 3 0 - 0 7
weibl. Einjahr. 2 4 3 0 0 - 7
Einjähr. ? 3 2 0 0 0 5
Gesamt 17a 10a 0 0 4 31

Anmerkung: das “Darüberstehen” sowie Interaktionen mit Futter sind in der Liste nicht enthalten (ausgenommen das „Futter-Betteln“)

a männl. zu weibl. Elterntier: c2=0.94, P=0.33, df=1

Tabelle 3. Dominanz-Interaktionen (i.e. Anzahl jener Situationen, in denen individuelle Wölfe andere dominierten oder sich unterwarfen) im Jahr 1988 zwischen den Elterntieren (Männchen gleich wie in den Jahren 1990-1996) und den Einjährigen des Ellesmere Island-Wolfsrudels (Welpen im Rudel vorhanden).

männ.
Elterntier
weibl.
Elterntier
männl.
Einjähr.
weibl.
Einjähr.
Gesamt
männl. Elterntier - 0 0 0 0
weibl. Elterntier 2 - 1 0 3
männl. Einjähr. 8a 4 - 1 13
weibl. Einjähr. 5b 9 0 - 14
Gesamt 15 13 1 1 30

Anmerkung: das “Darüberstehen” sowie Interaktionen mit Futter sind in der Liste nicht enthalten (ausgenommen das „Futter-Betteln“)

a enthält eine kurze Sequenz von 5 Unterwerfungsgesten

b enthält eine kurze Sequenz von 4 Unterwerfungsgesten

Tabelle 4. Dominanz-Interaktionen (i.e. Anzahl jener Situationen, in denen individuelle Wölfe andere dominierten oder sich unterwarfen) im Jahr 1994 zwischen den Elterntieren (gleich wie in Tab.1 und Tab.2) und den 2 Jahre alten Wölfena des Ellesmere Island-Wolfsrudels (Welpen im Rudel vorhanden).

männ.
Elterntier
weibl.
Elterntier
männl.
2-jähr.
weibl.
2-jähr.
Gesamt
männl. Elterntier - 0 0 0 0
weibl. Elterntier 13 - 2b 2 17
männl. 2-jähr. 8 9 - 4 21
weibl. 2-jähr. 4 0 0 - 4
Gesamt 25c 9c 2 6 42c

Anmerkung: das “Darüberstehen” sowie Interaktionen mit Futter sind in der Liste nicht enthalten (ausgenommen das „Futter-Betteln“)

a Die 2 Jahre alten Wölfe sind die Einjährigen aus Tab.2.

b Das weibliche Elterntier dominierte den weiblichen 2 Jahre alten Wolf an einem dieser Beobachtungen 15 Minuten lang. Eine andere Beobachtung, aus der nicht klar hervorging, welches der beiden Tiere Dominanz anzeigte, ist nicht angegeben.

c männl. zu weibl. Elterntier: c2=3.99, P=0.05.

Tabelle 5. Dominanz-Interaktionen (i.e. Anzahl jener Situationen, in denen individuelle Wölfe andere dominierten oder sich unterwarfen) in den Jahren 1990 und 1991 zwischen den Elterntieren (Männchen gleich wie in allen Studienjahren ausgenommen 1998) und einem post-reproduktiven Weibchen des Ellesmere Island-Wolfsrudels (Welpen im Rudel vorhanden).

männ.
Elterntier
weibl.
Elterntiera
weibl.
post-repr.b
Gesamt
männl. Elterntier - 1c 0 1
weibl. Elterntiera 35 - 1 36
weibl. post-repr.b 26 17 - 43
Gesamt 61 18 1 80d

Anmerkung: das “Darüberstehen” sowie Interaktionen mit Futter sind in der Liste nicht enthalten (ausgenommen das „Futter-Betteln“)

a Das weibl. Elterntier ist identisch mit dem einjährigen Weibchen von 1988 (Tab.1) und dem weibl. Elterntier von 1990-1996.

b Das post-reproduktive Weibchen ist identisch mit dem weibl. Elterntier von 1988 und 1989 (Tab.1).

c Das Männchen zeigte unterwürfiges Verhalten, als es sich dem Weibchen samt Welpen in der Wurfhöhle näherte.

d c2=12.64, P<0.001, df=1

Dass diese Unterwerfungs-Regeln den freundlichen Umgang fördern, wird besonders eindrucksvoll von einer Beobachtung unterstrichen, die ich am 22. Juni 1991 machte. Ein post-reproduktives Weibchen kehrte mit einem vertrockneten Hasenkadaver – eher eine interessante Ablenkung als echtes Futter - zum Platz um die Wurfhöhle zurück. Statt den vertrockneten Hasen direkt zu den Welpen zu bringen brachte ihn das alte Weibchen unterwürfig zum männlichen Elterntier. Das Männchen packte den Kadaver sofort. Anschließendes Bettelverhalten von Seiten des alten Weibchens und auch des weiblichen Elterntieres ignorierte es und kaute an dem Kadaver 20-30 Minuten lang.

Die einzigen weiteren allgemeinen Dominanzregeln, die ich feststellte, bezogen sich auf das Duft-Markieren sowie den Futterbesitz und die –weitergabe. Beide Elterntiere markieren gleichermaßen, untergeordnete Individuen tun es nicht, außer wenn sie um Dominanz konkurrieren (Packard 1989; Asa et al. 1990). Ausnahmen habe ich nicht beobachtet. Bezüglich Futterbesitz und –weitergabe verhielt sich das männliche Elterntier, das ich beobachtete, so, dass es das Futter in der Zeit, wenn das Rudel Welpen oder einjährige Tiere hatte, dem mit ihm verpaarten Weibchen entweder vorwürgte oder hinwarf und erlaubte zu nehmen, oder es brachte das Futter direkt zu den Jungen.

Abgesehen von diesen Futterlieferungen schien es eine Art Besitzzone (Mech 1970) rund um die Schnauze jedes einzelnen Wolfes zu geben, und ungeachtet des Ranges des Konkurrenten versuchte der jeweilige Eigentümer das Futter zu verteidigen, das er besaß, wie auch Lockwood (1979) bei Wölfen in Gefangenschaft beobachtete. Wölfe jeden Ranges versuchten Futter von Wölfen jeden Ranges zu stehlen, aber jeder Wolf verteidigte sein Futter (Tab.6). Im allgemeinen schienen dominante Wölfe beim Futterstehlen erfolgreicher, aber die Zahl der Beobachtungen war zu gering, um daraus Schlüsse zu ziehen.

Tabelle 6. Beobachtungen von Futterverteidigung gegenüber Rudelmitgliederna im Ellesmere Island-Wolfsrudel.

Datum Besitzer d. Futters Konkurrent Ergebnis
26.06.1988 Welpen/Weibl. Einjähr.b Weibl. Elterntier erfolgreich
01.07.1988 Weibl. Einjähr. Weibl. Elterntier erfolgreich
01.07.1988 Welpec Männl. Einjähr. misslungen
05.07.1988 Weibl. Einjähr. Weibl. Elterntier erfolgreich
27.07.1988 Weibl. Einjähr. Männl. Einjähr. misslungen
27.07.1988 Männl. Elterntier Weibl. Einjähr. misslungen
27.07.1988 Männl. Elterntier Männl. Einjähr. erfolgreich
05.08.1990 Männl. Elterntier Weibl. Post-repr. misslungen
22.06.1991 Weibl. Post-repr. Männl. Elterntier erfolgreich
11.07.1993 Weibl. Einjähr. Weibl. Einjähr. misslungen
16.07.1994 Welpen u. Männl. Einjähr. Weibl. Einjähr. misslungen
15.07.1996 Welpen/Weibl. Elterntier Männl. Elterntierd erfolgreich
07.07.1998 Weibl. Elterntier Männl. Elterntier misslunge

a Die Futterübergabe vom männl. Elterntier zum weibl. Elterntier ist nicht enthalten.

b Das einjährige Weibchen hatte den Welpen Futter gebracht und schnappte nach dem weiblichen Elterntier, als dieses das Futter stahl.

c Das einjährige Weibchen, das einen Hasen gebracht hatte, hielt neben den Welpen Wache.

d Das weibliche Elterntier konnte das männliche Elterntier nicht abwehren.

Zwei weitere Verhaltensweisen unter Rudelmitgliedern könnten dominanzanzeigend sein, obwohl die Daten nicht ausreichen, um das sicher sagen zu können. Das betrifft das „Darüberstehen“ (engl. „standing over“) und das „Umarmen/Andrücken“ (engl. „hugging“) (Mech 2001). Beim „Darüberstehen“ steht ein Wolf über einem liegenden (Schenkel 1947) und hält seine Leistengegend über dessen Nase. Manchmal schnüffelt der liegende Wolf an den Leisten oder Genitalien des über ihm stehenden.

Schenkel (1947) beobachtete das „Darüberstehen“ nur in „friedlichen“ Begegnungen und schien es nicht als dominanzanzeigend zu bewerten. Betreffend „Hugging“ ist meine Datenmenge (5) nicht ausreichend, um das festzustellen.

Die oben aufgelisteten Dominanz-Regeln, die auf einer natürlichen, altersbezogenen Ordnung mit den jeweiligen Elterntieren an der Spitze und den ihnen untergeordneten Jungen bzw. Nicht-Elterntieren beruhen, sind so selbstverständlich, dass es darüber selten Streit gibt. In dieser Hinsicht sind die sozialen Interaktionen zwischen Mitgliedern natürlicher Wolfsrudel viel ruhiger und friedlicher als Schenkel (1947) und Zimen (1982) für Wölfe in Gefangenschaft beschrieben. Auch Clark (1971) hatte das bereits angemerkt. Gleichermaßen zeigen die Welpen gegenüber den erwachsenen Tieren oder älteren Jungtieren mit großer Selbstverständlichkeit und sehr friedlich unterwürfiges Verhalten. Wann oder ob sich eine Rangordnung unter den Welpen entwickelt, ist umstritten (cf. Zimen 1975 und Fox and Andrews 1973; Haber 1977), und ich kann auf diese Streitfrage keine Antwort geben. Sogar unter den Einjährigen und 2 Jahre alten Tieren gab es nur wenige rangbezogene Interaktionen (siehe Tab. 2-5).

Es ist denkbar, dass soziale Spannungen während der Fortpflanzungsphase verstärkt auftreten (Schenkel 1947), aber die Tatsache, dass die meisten natürlichen Rudel nur ein Elternpaar enthalten, schließt derartige Spannungen aus. Das früheste bekannte Alter mit dem wildlebende Wölfe sich verpaaren liegt bei 22 Monaten (Seal et al. 1979), und einige Individuen werden sogar erst mit frühestens 4 Jahren geschlechtsreif (Haber 1977; Mech and Seal 1987). Da die meisten Wölfe vor dem 2. Lebensjahr und fast alle vor dem 3. Lebensjahr abwandern (Mech 1987; Gese and Mech 1991; Mech et al. 1998), gibt es in den meisten Rudeln keinen Grund für sexuelle Konkurrenz.

Daher besteht nur in den relativ seltenen Rudeln mit mehreren Elterntieren starke Rivalität wie sie von Haber (1977) in der Fortpflanzungszeit bei seinem ungewöhnlichen Rudel beschrieben wurde. Andererseits könnte zumindest ein geringer Unterschied von beschriebener „Feindseligkeit“ auch auf das Konto unterschiedlicher Sichtweisen der Beobachter gehen. Gelegentlich beobachtete ich im Sommer 1994 verstärktes „Über-die-Schnauze-Beißen“ (engl. „pinning“) bei einem 2 Jahre alten Weibchen durch seine Mutter, das mancher vielleicht als „feindselig“ eingeschätzt hätte. Auf mich wirkte diese Art der Interaktion aber nur wie jenes Verhalten, das eine Mutter gegenüber einem ungehörigen Welpen anwendet, den sie nicht anders stoppen kann. Jedenfalls waren diese Formen von Interaktionen während meiner Studienzeit äußerst selten.

Was die praktische Kontrolle hochrangiger Tiere über niederrangige angeht, ist die Art der Interaktion ganz situationsabhängig. Beispielsweise versammeln sich bei großen Beutetieren wie erwachsenen Elchen (Alces alces) die Rudelmitglieder aller Ränge (Altersstufen) um den Kadaver und fressen gleichzeitig ohne offensichtliche Rangprivilegien (Mech 1966; Haber 1977); wenn die Beute hingegen kleiner ist wie zum Beispiel ein Moschusochsenkalb, fressen die dominanten Tiere (Eltern) zuerst und kontrollieren den Beutezugang der niederrangigen Individuen (Mech 1988; National Geographic 1988).

Welpen sind zwar gleichermaßen den Eltern und den älteren Geschwistern untergeordnet, doch sie werden von den Eltern und sogar von ihren älteren (dominanten) Geschwistern bevorzugt gefüttert (Mech et al. 1999). Andererseits dominieren beide Elterntiere die älteren Jungen und beschränken deren Futterzugang, wenn Futter knapp ist; stattdessen füttern sie die Welpen. Das heißt, die hauptsächliche Auswirkung von sozialer Dominanz in der Praxis ist, dass das dominante Individuum die Wahl hat, wem es Futter zuteilt.

Das einzige weitere Rangprivileg, das ich in natürlichen Situationen erkennen konnte, ist jenes, dass sich hochrangige Welpen beim Füttern durch die Erwachsenen besser durchsetzen können und die Erwachsenen manchmal zu einem früheren Zeitpunkt auf Jagdausflüge begleiten dürfen als die rangniedrigen Wurfgeschwister (Haber 1977).

Dominanz zwischen dem verpaarten Männchen und Weibchen

Die Beziehung zwischen dem verpaarten Männchen und Weibchen ist komplex und bedarf weiterer Forschung. Bei Rudeln in Gefangenschaft gibt es widersprüchliche Behauptungen bezüglich der Dominanzrollen von „Alpha-Männchen“ und „Alpha-Weibchen“ zueinander und zu den Niederrangigen. Diese Streitfrage hängt eng mit dem Konzept von Leitung (Anführung) zusammen, ist aber nicht notwendigerweise das gleiche (Mech 2000).

Die Frage, ob jedes Geschlecht eine eigene Dominanzhierarchie besitzt, stößt auf Uneinigkeit. Wie auch van Hooff et al. (1987, p.248) erwähnte, behaupteten Schenkel (1947) und Zimen (1982), dass es bei den in Gefangenschaft gehaltenen Wölfen bei jedem Geschlecht eine eigene Hierarchie gäbe. Bei Studien an wilden Wölfen gehen die Ergebnisse jedoch in eine andere Richtung. Clarks (1971) Daten zeigen, dass das verpaarte Männchen alle anderen Wölfe dominierte, und das verpaarte Weibchen dominierte alle außer dem Partner. Haber (1977, p.203) behauptete, dass bei den wilden Wölfen, die er beobachtete, „mit nur wenigen Ausnahmen“ im allgemeinen Männchen dominierten. Meine Daten bestätigen, dass die verpaarten Männchen von der Körperhaltung her insofern dominieren als ich nur ein einziges Mal beobachtete, dass sich das verpaarte Männchen über die Körperhaltung gegenüber dem Weibchen unterwürfig verhielt (Tabellen 1-5).

Die Meinungsverschiedenheit über die Beziehung zwischen verpaarten Männchen und Weibchen resultiert wahrscheinlich aus den großen Unterschieden in der Rudelzusammensetzung und den Lebensumständen zwischen Gefangenschaftsrudeln und freilebenden Rudeln, die ich bereits angeschnitten habe. Daher ist es sinnvoll, die typischen Interaktionen zwischen dem verpaarten Männchen und Weibchen in natürlichen Rudeln zu beschreiben, da diese Interaktionen bisher noch nicht beschrieben worden sind. Wenn das Elternpaar getrennt gewesen ist, sich erkennt und dann zusammentrifft, nähert sich das Weibchen dem Männchen in einer typisch unterwürfigen Körperhaltung: Der Schwanz ist gesenkt oder zwischen den Beinen, der Körper geduckt oder am Boden, die Ohren sind zurückgelegt und die Nase nach oben gestreckt und leckt die Schnauze des Männchens (Schenkel 1947). Das Männchen steht gleichgültig, manchmal hebt es den Schwanz horizontal in die Höhe.

Während der Sommer, als das Rudel, das ich beobachtete, Welpen oder Einjährige führte, fanden derartige Zusammentreffen meistens in der Nähe des Nachwuchses statt, wenn das Männchen von der Jagd zurückkehrte. Seine Antwort auf das Begrüßungsverhalten des Weibchens war, dass es, welches Beutestück auch immer es im Maul trug, dieses fallen ließ und/oder Futter hervorwürgte (Mech et al. 1999). Daraufhin fraß das Weibchen das Futter oder brachte es den Jungen. Ich konnte derartige Begrüßungsszenen, die in Futterhervorwürgen resultierten, nicht von denen unterscheiden, die nicht zu diesem Verhalten führten.

Im Jahr 1998, als das Paar keine Jungen hatte, fanden alle vier Treffen, die ich beobachtete, statt, als das Weibchen gerade von einem separaten Jagdausflug zurückkehrte oder auf eigene Faust Futter von einem Riss versteckt hatte. Jedes Mal, wenn das Weibchen zu seinem Partner zurückkehrte, nahm es die Köperhaltung der aktiven Unterwerfung ein, wenn es auf das Männchen traf, und einmal unterwarf es sich überschwänglich etwa 90 Sekunden lang. Sogar als das verpaarte Weibchen einmal eifrig einen anderen Wolf jagte und dabei von seinem Partner überholt wurde (17. Juni 1991), unterwarf es sich flüchtig, als das Männchen an ihm vorbeilief. Aufgrund dieser Beobachtungen erscheint es durchaus berechtigt, zu schließen, dass das verpaarte Weibchen seinem Partner gegenüber untergeordnet war.

Die praktischen Folgen dieser körpersprachlichen Unterwürfigkeit sind jedoch nicht klar ersichtlich. Das Verhalten scheint nicht immer Futterbetteln zu bedeuten. Zum Beispiel verhielt sich das Weibchen bei einem Treffen im Jahr 1998 gegenüber dem Männchen in der oben beschriebenen Art und Weise als es einen langen Knochen besaß, von dem es gerade erst eine Menge gefressen hatte. Das Männchen, das schon seit mehreren Stunden nichts gefressen hatte, versuchte den Knochen zu erbeuten. Aber das Weibchen schnappte verteidigend nach ihm und konnte den Knochen trotz wiederholter Versuche des Männchens, ihn über den Verlauf einer Stunde immer wieder zu stehlen, erfolgreich halten.

Auch wenn das aktive Unterwerfungsverhalten des verpaarten Weibchens gegenüber seinem Partner tatsächlich Futterbetteln und nicht Unterwerfung signalisiert, muss man sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sich das verpaarte Weibchen dem Männchen gelegentlich auch passiv unterwirft (Schenkel 1967). Ich beobachtete das dreimal auf Ellesmere (Tab.1), aber ich sah nie, dass sich das verpaarte Männchen dem Weibchen unterworfen hätte. Da die passive Unterwerfung nichts mit Futterbetteln zu tun zu haben scheint, dürften diese Beobachtungen ein klarer Beweis für Unterordnung sein.

Bei Angriffen auf Beutetiere, sowohl auf Kälber als auch auf erwachsene Moschusochsen, dürften Männchen und Weibchen gleichermaßen beteiligt sein. Sie fressen miteinander Seite an Seite, auch wenn sie von Zeit zu Zeit die Einjährigen verscheuchen. Beide Tiere jagen auch miteinander Hasen, wobei das Männchen auf Jagdausflügen mit den Einjährigen ausdauernder zu sein scheint als das Weibchen (Mech 1995b).

Beide Tiere setzen Geruchsmarkierungen, und jeder der beiden kann das Doppelmarkieren initiieren (Haber 1977; Rothman and Mech 1979) abhängig davon, welcher der beiden sich zum gegebenen Zeitpunkt auf der Wanderung gerade weiter vorne befindet. Zum Beispiel markierte das Ellesmere Island-Zuchtpaar am 16. Juli 1993 auf einer 4 km langen Wanderung dreimal übereinander; zweimal davon begann das Männchen. Sowohl Männchen als auch Weibchen heben beim Urin-Markieren ein Hinterbein, wobei das Männchen sein Bein höher hebt - möglicherweise aus anatomischen Gründen; beide Tiere scharren gelegentlich am Boden, wenn sie markieren.

Während der frühen Phase der Welpenaufzucht, zeigt das Paar eine klare Arbeitsteilung, bei der sich das Weibchen um das Gebiet um die Wurfhöhle kümmert und die Welpen versorgt (Packard et al. 1992) und das Männchen entfernt vom Wurflager jagt und dem Weibchen und den Welpen Futter bringt (Mech et al. 1999).

Das Männchen zeigt ein starkes Bedürfnis, dem Weibchen Futter zu überlassen. Zum Beispiel warf ich am 8. Juli 1992, als sich das Ellesmere-Männchen und Weibchen gleich weit in entgegengesetzten Richtungen von mir entfernt befanden, dem Männchen den Kadaver eines erwachsenen Hasen von etwa 5 kg hin. Das Männchen packte ihn, aber das Weibchen stürzte sofort zu ihm, riss ihn ihm aus dem Maul und nahm ihn mit ins Wurflager. Das Männchen machte keinen Versuch, den Hasen festzuhalten oder ihn sich wieder zu holen. Daraufhin gab ich dem Männchen einen zweiten Hasen der gleichen Größe. Es fraß den Kopf und brachte den Rest des Kadavers 0.5 km zum Weibchen und gab ihn ihm. Sie versteckte ihn. Ähnliche Tests mit kleineren Stücken erzielten ähnliche Ergebnisse.

Wenn es darum geht, andere Rudelmitglieder von den kleinen Welpen fernzuhalten, scheint das weibliche Elterntier uneingeschränkt das Sagen zu haben, vor allem wenn die Welpen unter 3 Wochen alt sind. Beim Ellesmere Island-Rudel war es für das weibliche Elterntier üblich, zu den kleinen Welpen zu stürzen, sobald sich das männliche Elterntier oder irgendein anderer Wolf ihnen zu nähern begann.

Außerdem verbeugt sich das Männchen in seiner Körperhaltung, wenn es sich dem Weibchen nähert, das sich gerade um die kleinen Welpen kümmert. Am 26. Juni 1990 beobachtete ich, wie das Männchen auf das Weibchen in der Wurfhöhle zuging und dabei „aufgeregt mit seinem Schwanz und dem Körper wedelte“. In ähnlicher Weise beobachtete ich am 18. Mai 1990 in Denali Park, Alaska, das mit einem Funk-Halsband versehene Männchen 251 vom Headquarters-Rudel (Mech et al. 1998), wie es sich dem Weibchen 307, das sich mit den Welpen in der Wurfhöhle befand, im „Wackelgang“ näherte, bei dem es mit seinem Hinterteil und dem Schwanz wackelte wie ein Rangniedriger, der sich einem dominanten Tier nähert. Das Weibchen kam aus der Höhle, und das Männchen würgte ihm Futter hervor. Es waren dies die einzigen Male, bei denen ich ein männliches Elterntier sich gegenüber einem anderen Wolf unterwürfig verhalten gesehen habe, und es scheint darauf hinzudeuten, dass das weibliche Elterntier zeitweise – bevor die Welpen die Höhle verlassen  - sogar gegenüber dem männlichen Elterntier dominant ist.

Das Weibchen betreut und beschützt die Welpen stärker als irgendein anderes Rudelmitglied. Beispielsweise waren die Mütter die einzigen Rudelmitglieder, die ich jemals dabei gesehen habe, dass sie Welpen aufnahmen und trugen. Überdies beobachtete ich bei einer Gelegenheit das Weibchen des Ellesmere Island-Rudels wie es sich höchst aggressiv gegenüber einem Moschusochsen verhielt, der mit einem Male vor dem Höhleneingang stand (Mech 2000). Diese Beobachtung stimmt mit jenen von Joslin (1966) und Clark (1971) überein. Andererseits berichtete Murie (1944), dass es sich um das Männchen gehandelt hätte, welches höchst aggressiv Grizzlybären (Ursus arctos) aus der Umgebung des Welpenlagers vertrieben hätte.

Schlussfolgerungen

Die oben angeführten Beobachtungen zeigen, dass sich zumindest im Sommer soziale Interaktionen zwischen Wolfsrudel-Mitgliedern in der Intensität oder Qualität nicht besonders von denen bei anderen Gruppen von verwandten Individuen unterscheiden. Sogar die vielgerühmte Wolfs-Dominanzhierarchie ist in erster Linie natürlicher Ausdruck von Alter, Geschlecht und reproduktiver Struktur der Gruppe, wobei das männliche Elterntier alle anderen körpersprachlich dominiert und das weibliche Elterntier sich vom Männchen Futter holt, während es sich selbst um die Welpen kümmert. Das typische Wolfsrudel sollte daher als Familie betrachtet werden, in der die erwachsenen Elterntiere die Aktivitäten der Gruppe anführen und die Gruppenleitung in einem System der Arbeitsteilung gemeinsam übernehmen. Dabei überwiegen beim Weibchen hauptsächlich solche Aktivitäten wie die Betreuung und die Verteidigung der Welpen, während sich das Männchen vorrangig dem Jagen, der Futterversorgung und den damit verbundenen Wanderungen widmet (Mech 2000).

Imponiergehabe ist außer bei Konkurrenz um Futter nicht üblich. Dann dürfen die Eltern das Futter monopolisieren und dem jüngsten Nachwuchs zuteilen. Aktive Unterwerfung scheint in erster Linie eine Geste des Futterbettelns zu sein oder als Motivation zum Beutemachen zu dienen (Mech 1970). Die Rolle von aktiver und passiver Unterwerfung bei Interaktionen zwischen verpaarten Tieren, wenn keine Welpen vorhanden sind, verlangt nach weiteren Untersuchungen.

Danksagung

Das Projekt wurde von der National Geographic Society, dem United States (U.S.) Fish and Wildlife Service, dem U.S. National Biological Service (jetzt Biological Resources Division of the U.S. Geological Survey) und dem U.S. Department of Agriculture North Central Forest Experiment Station unterstützt. Die logistische Hilfe der Polar Continental Shelf Project (PCSP), Natural Resources Canada; Atmospheric Environment Services, Environment Canada und High Arctic International wird ebenfalls hochgeschätzt. Bewilligungen wurden erteilt vom Department of Renewable Resources and der Grise Fiord Hunter and Trapper Association of the Northwest Territories. Die logistische Hilfe folgender Freiland-Helfer wird dankend hervorgehoben: L. Adams, L. Boitani, D. Boyd, N. Gedgaudes, C. Johnson, J. Hutchinson, N. Gibson, T. Lebovsky, M. Maule, M. Ortiz, J. Packard, R. Peterson, R. Ream, L. Shaffer, R. Sternal und U. Swain. Ich danke R.O. Peterson für die kritische Durchsicht und Verbesserungsvorschläge zu einer früheren Fassung des Manuskripts. Das ist das PCSP Paper 003298.

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[1] Biological Resources Division, U. S. Geological Survey, Northern Prairie Wildlife Research Center, 8711 37th Street SE, Jamestown, ND 58401-7317, U.S.A.

Anschrift des Verfassers: U.S. Geological Survey Gabbert Raptor Center, 1920 Fitch Street, University of Minnesota,  St. Paul, MN 55108, U.S.A.

e-mail: Mechx002@tc.umn.edu


Symptomliste

Diese von Anders Hallgren zusammengestellte Liste soll helfen nach körperlichen Symptomen zu suchen, die auf ein Krankheitsbild hindeuten könnten. Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden können auch auf körperliche Erkrankungen zurück zu führen sein, deshalb sollte immer eine medizinische Abklärung durch einen versierten Tierarzt erfolgen, wenn ein Hund abnorme Verhaltensweisen wie gesteigerte Aggressivität, Passivität, Hyperaktivität o.ä. zeigt. Eine sorgfältig ausgefüllte Liste dieser Art hilft dem Tierarzt bei der Diagnosestellung. Man kann zusätzlich hinter die Symptome schreiben, ob sie selten, gelegentlich oder häufig auftreten und seit wann.

Haut und Fell

  • Juckreiz in den Ohren
  • Juckreiz in der Leistengegend
  • Schuppen
  • Haarausfall
  • Verfärbungen der Haare
  • Hautrötungen
  • Flohstiche
  • Übel riechendes Fell
  • glanzloses Fell
  • Juckreiz in der Halsregion
  • Juckreiz in der Schwanzregion
  • spärliches Fell
  • Eiterpusteln
  • Krusten
  • haarlose Partien
  • Schwellungen in der Haut oder im Gesäuge
  • Hautverdickungen
  • Nagen an den Pfoten
  • Belecken anderer Körperregionen
  • Meideverhalten oder Abwehr bei bestimmten Berührungen

Magen-Darm-Trakt

  • gelegentlicher Durchfall
  • blutiger Durchfall
  • schlechter Appetit
  • gelegentliches Erbrechen
  • Erbrechen nach einer Mahlzeit
  • Schlappsein
  • heller Kot
  • blutiger Kot
  • Blähungen
  • häufiger Durchfall
  • Abmagerung
  • ungewöhnlich großer Appetit
  • häufiges Erbrechen
  • Erbrechen am Morgen
  • ungleichmäßiger Kot
  • dunkler Kot
  • Kotabsatz mehr als 2x am Tag
  • gespannter Bauch
  • verändertes Verhalten bei Kotabsatz

Harntrakt und Fortpflanzungsorgane

  • gesteigerter Durst
  • Benommenheit
  • gesteigerter Durst nach der Läufigkeit
  • Flüssigkeitsabsonderungen aus den Geschlechtsorganen
  • verlieren von Urin (Rüde)
  • Verlieren von Urin (Hündin)
  • dunkler Urin
  • übel riechender Urin
  • vermehrter Urinabsatz
  • schlechte Kondition
  • geschwollener Bauch
  • blutiger Urin
  • Beschwerden beim Urinabsatz
  • trüber Urin
  • nur 1 Hoden
  • Veränderungen an der Scham
  • Veränderungen am Penis oder an den Hoden

Augen

  • verkleinertes oder vergrößertes Auge
  • verringerte Sehkraft
  • rote Augenschleimhäute
  • hängendes unteres Augenlid
  • Augenausfluss
  • verlangsamter oder verringerte Pupillenreflex

Ohren

  • häufiges Kopfschütteln
  • Kratzen an den Ohren
  • Schwerhörigkeit
  • schlechter Geruch in den Ohren
  • Rötungen in den Ohren
  • Sekret in den Ohren

Zähne

  • Spielen mit Steinen oder anderen Gegenständen
  • in die Luft beißen oder Kauen, ohne etwas in der Schnauze zu haben
  • kaputte Zähne, einzelne dunkle Zähne
  • häufiges Sabbern
  • der Hund leckt sich häufig um die Schnauze
  • einzelne oder mehrere abgenutzte Zähne
  • Zahnstein
  • Löcher in einzelnen Zähnen
  • Kratzen an der Schnauze
  • Verweigerung bestimmter Futtersorten (z.B. hartes Futter)
  • Unterbrechung des Fressens, wenn dies für diesen Hund ungewöhnlich ist

Rachenmandeln

  • schlechter Atem
  • geringer Appetit
  • frisst nur bestimmtes Futter
  • frisst viel Gras
  • Husten
  • Würgen
  • Lecken an Stoff
  • unregelmäßiger Appetit
  • Kratzen am Hals

Herz und Kreislauf

  • Der Hund ist schnell erschöpft
  • Der Hund lahmt manchmal auf dem linken Vorderbein
  • Der Hund zeigt plötzliche Ängste, Aggressivität oder Unterwürfigkeit ohne erkennbare Ursache
  • Der Hund kann ohne Ursache zusammenzucken und unruhig aussehen
  • Hecheln ohne Anlass

Muskeln und Gelenke

  • Lahmen
  • Schmerzen in Gelenken
  • Der Hund ist steif (und knurrig) gegen Abend und/ oder am Morgen
  • Schwierigkeiten beim Hinlegen
  • Der Hund ist unsicher auf den Beinen
  • Schwierigkeiten beim Aufstehen
  • Schwierigkeiten beim Treppen gehen
  • Der Hund weigert sich, spazieren zu gehen
  • veränderte Geschwindigkeit beim Spazierengehen

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